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Referat Thomas MANN und die Seinen - Das Projekt und sein Publikum, “Thomas Mann und die Seinen” im Blickfeld der Referenten, Das Projekt aus Sicht der Förderer



biographien referate

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Thomas

MANN

und die Seinen

Vorwort


Der Gedanke, meine Facharbeit über das Literaturprojekt “Thomas Mann und die Seinen” zu schreiben, kam mir eines Morgens bei der Lektüre der Augsburger Allgemeinen. Darin wurde über eine der ersten Veranstaltungen der Reihe berichtet, die vom 17.Januar bis 31.März 1996 in Augsburg jstattfand. Das spontane Interesse führte dazu, dass ich noch am selben Tag ein vorläufiges Konzept erarbeitete und anschließend Rücksprache mit dem Leiter meines Leistungskurses nahm. Das Thema war gefunden und es galt, Teile des Plans möglichst schnell in die Tat umzusetzen, denn die Befragung des Publikums konnte ja nur während des Projekts stattfinden. Um eine annähernd repräsentative Statistik erstellen zu können, war eine relativ hohe Anzahl an befragten Personen nötig. Fragebögen wurden erstellt, vervielfältigt und bei ausge-wählten Veranstaltungen verteilt. Schon die erste Resonanz war beeindruckend und so ermutigend, dass die Anzahl der Befragten von den ursprünglich geplanten 70 auf 100 erhöht wurde.

Um das Projekt von mehreren Seiten zu beleuchten, wurden kurz nach Abschluß der Reihe alle Referenten angeschrieben oder, soweit es sich um Augsburger handelte, persönlich interviewt. Abschließend wurden noch die Hauptförderer von “Th. Mann und die Seinen” zu ihren Beweggründen befragt.

Ich danke den vielen anonymen Veranstaltungsbesuchern, die mehr als 80% der ausgegebenen Fragebögen zurückschickten, allen Referenten der Reihe, die mir auf meine Fragen bereitwillig antworteten und den Förderern, die rasch und offen Rede und Antwort standen.


1. Das Projekt und sein Publikum




Das Publikum wurde bei insgesamt sechs Veranstaltungen persönlich angesprochen und gebeten, sechs Fragen zum Projekt und vier Fragen zur Person zu beantworten. Zu diesem Zweck erhielten die Personen jeweils einen Fragebogen und ein Freikuvert zur Rücksendung an den Verfasser. Dass das Interesse groß war, zeigt sich in der hohen Zahl der Rücksendungen: 83 von 100 Angesprochenen schickten ihren Bogen zurück. Die ausgewählten Veranstaltungen waren:


08.Februar ( Film ) Die Buddenbrooks

22.Februar Prof. Koopmann Narziß im Exil. Th.Manns Jahre der

Emigration und sein “Felix Krull”

01. März         ( Ausstellung ) Joseph und Echnaton - Th.Mann und Agypten

14. März         ( Film ) Der blaue Engel

28. März         Dr. Nike Wagner Th.Mann und Richard Wagner

09.Mai                        Elisabeth Mann Das Meer



Folgende Fragen wurden gestellt, statistisch ausgewertet, grafisch aufgearbeitet und sollen anschließend interpretiert werden:



1.1 Persönliche Angaben der Befragten

1.1.1 Verteilung der Befragten nach Geschlecht



Die scheinbar unausgewogene Verteilung der Fragebögen resultiert aus den Tatsachen, dass das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Besuchern der Veran-staltungen nicht gleich war, und dass Frauen ihre Antworten zum einen schneller und zum anderen zuverlässiger zurücksandten (Verteilverhältnis: 55 Bögen an Frauen,   45 an Männer).






1.1.2 Verteilung der Befragten nach Altersgruppen



Bemerkenswert ist die relativ gleichmäßige Verteilung über alle Altersstufen. Die Reihe wurde, und dies ist ein Beweis für die Vielseitigkeit, sowohl von jungen als auch von älteren Mitbürgern angenommen. Der Grafik kann man ferner entnehmen, dass die Altersgruppe zwischen 41 und 60 Jahren besonders interessiert war. Tendenziell läßt sich bei den bis 25-jährigen ein stärkerer Filmbesuch, bei den übrigen Gruppen ein Schwerpunkt beim Besuch der Vorträge erkennen.


1.1.3 Verteilung der Befragten nach Berufsgruppen



Auch diese Grafik bestätigt den Eindruck aus 1.1.2 . Alle Alters- und Berufsgruppen waren bei der Reihe als Publikum vertreten. Schwierig zu interpretieren ist die Tatsache, dass keiner der Befragten angab, zur Zeit ohne Beschäftigung zu sein. Diese Antwortmöglichkeit war in allen 100 Fragebögen gegeben. Entweder war tatsächlich kein Arbeitsloser unter den Befragten (mangelndes Interesse? - andere Sorgen?) oder Arbeitslosigkeit stellt auch heute noch ein so großes Tabuthema dar, dass eine entsprechende Angabe selbst in einem anonymen Fragebogen unterbleibt. Es bleibt dem Leser überlassen, diese Tatsache weiter zu deuten. Zwar nicht wesentlich für die Fragestellung, aber dennoch interessant ist, dass die Rubrik “Sonstige” erst nach der ersten Verteilaktion eingeführt wurde, da das Berufsbild “Hausfrau” mehrmals nicht in eine vorhandene Gruppe eingeordnet wurde.


1.1.4 Verteilung der Befragten nach dem Wohnort




Es fällt die mit fast einem Drittel recht große Zahl an Besuchern aus dem Umland auf. Sie belegt die rege Resonanz über das Stadtgebiet hinaus. Aus persönlichen Gesprächen ist mir bekannt, dass auch aus vielen Teilen der Bundesrepublik Besucher eigens zur Teilnahme an der Reihe anreisten. Ebenso weckte die Reihe Interesse bei Verlagen, so z.B. beim S. Fischer Verlag in Frankfurt, dessen Lektorin für Thomas Mann unter den Befragten ist und Interesse am Ergebnis der Arbeit in ihrem Antwortbrief angemeldet hat.







Fragen zum Projekt


Frage 1:

Wodurch wurden Sie auf die Veranstaltungsreihe aufmerksam?


Grafik zu Frage 1:      Prozentuale Verteilung der Antworten

( Mehrfachnennung war möglich )


49 Befragte bezogen ihre Informationen zu Terminen, Art, Ort und Uhrzeit der Veranstaltungen aus dem Programmheft. Es regte damit neben den Zeitungsartikeln und -hinweisen (42 Antworten) am wirksamsten zum Besuch der Reihe an. Auffallend ist die Zahl der persönlichen Empfehlungen bzw. Einladungen (29), ein Indiz dafür, dass Besucher die Reihe auch im Freundes- / Bekanntenkreis weiterempfohlen haben. Mundpropaganda und persönliche Ansprache durch den Veranstalter haben also bei einem Drittel zum Besuch zumindest angeregt. Überraschend war für mich die geringe Werbewirkung des Rundfunks, der entweder wenig über das Projekt berichtete oder aber einen weniger hohen Informations- und Werbegehalt besitzt. Immerhin jeder Fünfte würdigt den Werbeeffekt des ansprechend und aufwendig gestalteten Plakats.

Abschließend bleibt festzuhalten, daß Printmedien in diesem Fall immer noch die wichtigsten Informationsquellen sind und dies wahrscheinlich auch bleiben werden.



Frage 2:

Warum haben Sie gerade diese Veranstaltung besucht ?


Grafik zu Frage 2:      Prozentuale Verteilung der Antworten

( Mehrfachnennung war möglich )


Grundsätzlich läßt sich sagen, dass die Reihe bei mehr als jedem Zweiten auf ein allgemeines Literaturinteresse stößt. Diese 46 Personen würden wohl auch andere Projekte dieser Art besuchen. Die größte Anziehungskraft besaß nach diesem Ergebnis der Autor Thomas Mann an sich. Obwohl seit über 40 Jahren verstorben büßt er nichts von seiner Faszination ein. Zu diesen Punkten kommen verstärkend Referenten und Thematik hinzu. Professor Koopmann und Dr. Nike Wagner haben sowohl von der Person als auch vom Thema her ähnlich hohe Zahlenwerte (sh. Anlage 3). Bei Elisabeth Mann hingegen scheint der Name und damit die Beziehung zu Thomas Mann ein besonderer Publikumsmagnet zu sein. Im Vergleich zu den bisher genannten Beweggründen nehmen sich die Antworten “Begegnung mit Freunden” und “Sonstige” gering aus. Die Vermutung, der Wunsch nach Kommunikation sei ein wichtiges Motiv, läßt sich nicht bestätigen. Insgesamt setzt sich die Tendenz aus Frage 1 fort, daß immer mehrere Gründe das Publikum zum Besuch einer Veranstaltung bewegen.





Bei den folgenden Fragen 3 und 4 waren die Teilnehmer aufgefordert, die Frage anhand einer Skala von [ 1 ] bis [ 6 ] zu beantworten, wobei [ 1 ] die jeweils beste, [ 6 ] die jeweils schlechteste Bewertung darstellte.


Frage 3:

Hat die Veranstaltung Ihre Erwartungen erfüllt ?

Grafik 3.1 : Gesamtzahl der Antworten


Grafik 3.2 : Prozentuale Verteilung der Antworten nach Geschlecht


Aus den Zahlenwerten der Grafik 3.1 ersieht man, dass mehr als 50% der Befragten die Note   [ 1 ] vergeben, niemand die Noten [ 4 ] bis [ 6 ]. Dies führt zu einem beachtlichem Gesamtschnitt von 1,57. Aus dieser Zahl erkennt man die sehr große Zufriedenheit des Publikums. Die Reihe trifft offensichtlich dessen Geschmack.

Bei differenzierter Betrachtung, mit Unterscheidung der Antworten von Männern und Frauen, fallen dann jedoch Unterschiede auf (Grafik 3.2). So wird die Note [ 1 ] von Frauen um 16% öfter vergeben, was eine erhebliche Abweichung vom Bewertungsverhalten der Männer darstellt. Bei Note [ 2 ] herrscht eine relative Übereinstimmung 37,5 % zu 34 %. Die Note [ 3 ] wird dann von den Männern mit 12% mehr Stimmen vergeben.

Versucht man diese Zahlen zu interpretieren, kann man sagen, dass Männer im Allgemeinen ein härteres Urteil abgeben. Dies könnte mit einem anderen Maßstab,

den Männer anlegen, zusammenhängen. Möglich wäre aber auch, dass Frauen mit etwas anderen Erwartungen zu den Veranstaltungen gehen, was jedoch nicht heißen soll, dass Frauen leichter zufriedenzustellen sind.



Frage 4:

Wie hoch schätzen Sie den Anspruch und das Niveau der Veranstaltung ein ?

Grafik 4.1 : Gesamtzahl der Antworten



Grafik 4.2 : Prozentuale Verteilung der Antworten nach Geschlecht


Auch bei dieser Frage sollen zuerst allgemeine Erkenntnisse festgehalten werden (Grafik 4.1). Fast ein Drittel (27 von 82) der Befragten empfanden die Veran-staltungen der Reihe als höchst anspruchsvoll, weitere 38 bestätigten der Reihe mit der Bewertung [ 2 ] ein hohes Niveau. Der Gesamtschnitt von 1,84 belegt dies eindrucksvoll.

Unterscheidet man nun auch hier das Bewertungsverhalten von Männern und Frauen, so fällt die Ahnlichkeit des Durchschnitts auf, der nur 0,2 Differenzpunkte ausweist, obwohl sich die Einzelwertungen bei [ 1 ] und [ 2 ] deutlich unter-scheiden. Männer vergeben auch hier die Note [ 1 ] um 10% weniger. Die Note [ 4 ] wurde hier nur von einer Frau vergeben. Auch bei dieser Fragestellung legen die Männer also einen strengeren Maßstab an. Insofern bestätigen sich die Ergebnisse aus Frage 3 und Frage 4 gegenseitig.



Frage 5:

Diese Frage (Antwortmöglichkeiten sh. Anlage 2) richtete sich nur an Film-besucher. Da diese Gruppe bei einer Fragestellung mit 17 Befragten und 16 zurückgesandten Fragebögen jedoch nicht als repräsentativ bezeichnet werden kann, sollen hier die Ergebnisse nur vorgestellt, aber nicht interpretiert werden.

Jeweils fünf Befragte gaben an, das Buch schon vor den Besuch des Films gelesen zu haben oder es im Nachhinein lesen zu wollen. Sechs meinten, der Film allein reiche ihnen. Von dieser Seite gesehen besteht also kein zwingender Zusammenhang zwischen der Lektüre des Buches und dem Besuch des Films.

Außerdem waren die, die das Buch bereits gelesen hatten ,aufgefordert, Buch und Film zu vergleichen. Drei kamen zu dem Ergebnis, daß sich Inhalt beider Medien decken, zwei fanden den Film besser als das Buch.



Frage 6:

Sollen Literaturprojekte dieser Art auch in Zukunft veranstaltet werden ?


Zu dieser Frage erübrigt sich eine Grafik, da alle 83 zurückgeschickten Fragebögen dieselbe Antwort enthielten: Ja. Selbst wenn unter den 17 Personen, die ihren Fragebogen nicht zurückschickten, der eine oder andere einer anderen Meinung wäre, beeinträchtigt dies die insgesamt eindeutige Erwartung des Publikums nicht. Auch rechtfertigt diese stattliche Anzahl die zwischenzeitliche Entscheidung des Augsburger Stadtrats solche Projekte auf jeden Fall bis zum Jahr 2000 fortzuführen (Beschluß vom 10.07.1996). Bereits in Vorbereitung ist eine Reihe über den Autor Hermann Hesse für das Jahr 1997 und über Bertolt Brecht für 1998, seinem 100. Geburtsjahr. Für 1999 ist Franz Kafka, für das Jahr 2000 Johann Wolfgang von Goethe vorgesehen.









2. “Thomas Mann und die Seinen” im Blickfeld der Referenten



Der Erfolg eines solchen Literaturprojekts hängt nicht nur vom spontanen Publikums- interesse, von der Bereitschaft der Förderer und einer guten Organisation ab, sondern vorallem von einer anspruchsvollen Auswahl an namhaften und kompetenten Refe-renten. Diese ist die Voraussetzung für einen hohen Anspruch. Für das Publikum war dies ausdrücklich ein entscheidendes Kriterium (siehe Punkt 1.2, Frage 2: “Warum haben Sie gerade diese Veranstaltung besucht ?”). Durch die Befragung der Referenten wird daher eine weitere wichtige Seite beleuchtet. Als Mittel zur Materialsammlung wurde bei insgesamt 15 Befragten dreimal ein Interview gewählt (Prof. Koopmann, Björn Kommer, Gudrun Erfurth), weil es sinnvoll erschien, mit ortsansässigen Referenten in persönlichen Kontakt zu treten. Die übrigen wurden angeschrieben (sh. Anlage Nr. 4 ) und gebeten, vier gezielte Fragen zu beantworten. Von diesen 12 Adressaten antworteten neun. Dies ist bei so hochkarätigen Ansprechpartnern, noch dazu zum Teil im Ausland lebend, eine für mich recht zufriedenstellende Rücklaufquote.



Frage 1: “Welche Beziehungen haben Sie zu Thomas Mann bzw. dem Projekt ?


Eine unmittelbare Beziehung zu Thomas Mann (=TM) selbst nennt nur sein Enkel Prof.Dr. Frido Mann aus Göttingen, der auf sehr positive Erinnerungen an seinen Großvater verweist. Mit der Mann-Familie befreundet gewesen zu sein, sagt Prof.Dr. Egon Schwarz.



Die meisten Referenten betätigen sich als Literaturwissenschaftler und beschäftigen sich zum Teil seit Jahrzehnten beruflich mit Leben und Werk von TM. Dr. Donald A. Prater ist Verfasser einer TM-Biographie und freute sich “in Augsburg unter den namhaften TM-Kennern erscheinen zu dürfen”. Prof.Dr. Manfred Dierks ist Autor verschiedener Arbeiten über TM, er bezeichnet sich als “Spezialist” und sieht in ihm “eine Zentralfigur der Moderne, in deren Werk deren wichtigste Themen und Ideen zusammenkommen”. Dr. Nike Wagner betont ihr zunächst “rein fachliches Interesse”, was insofern bemerkenswert ist, da die Beziehung ihres Großvaters Richard Wagner zu TM keine vordringliche Rolle zu spielen scheint. Sie hält solche Projekte für richtig, weil ja “jeder Schriftsteller immer wieder für die Gegenwart entdeckt werden muß”. Nicht literaturwissenschaftlich, aber dennoch beruflich, befasst sich Dr. Thomas Sprecher als Leiter des TM-Archivs der ETH Zürich mit diesem Schriftsteller. Ebenso Dr. Heinrich Lindenmayr aus Burgau, der in der Erwachsenenbildung engagiert ist und sich seit etwa 10 Jahren “insbesondere mit seiner Ironie als Möglichkeit moderner Lebensauffassung und -bewältigung”. Die mit mehr als 36 Jahren längste wissenschaftliche Beziehung zu TM hat zweifellos Herr Prof. Helmut Koopmann. Bereits 1960 fertigte er seine Doktorarbeit über diesen Autor. Dieser folgten immer wieder Publikationen über dessen Sprache. Die bekannteste Veröffentlichung dürfte das “Thomas Mann-Handbuch” sein, dessen Herausgeber er ist und das bereits in 2.Auflage erschienen ist. Er berief Kongresse ein, darunter einen TM-Kongress in München in Zusammenarbeit mit dem TM-Archiv der ETH Zürich.

Neben diesem wissenschaftlichen Interesse an TM stößt man bei einigen Referenten auf eine sehr persönliche Faszination. So stellt z.B. Prof. Koopmann ausdrücklich fest, dass “sein Interesse nicht nur wissenschaftlich ist, sondern fast persönlich, weil man bei TM auch nach über drei Jahrzehnten immer noch Neues erkennen kann.” Björn Kommer nennt eine Lesung in seiner Gymnasialzeit als Auslöser für ein reges “Interesse an der wahren Geschichte”. Daraus resultieren seine intensiven Nachforschungen über das Buddenbrook-Haus in der Lübecker Mengstrasse, die er als “krimiartig-spannend” empfand, sowie zwei Veröffentlichungen zu diesem Thema. Bis in die Schulzeit zurück reicht auch bei Volker Michels vom Suhrkamp-Verlag die Lektüre von TM, “wo er kein Unterrichtsgegenstand war”. Für ihn ist dieser Autor “einer der wichtigsten, weil präzisesten und welthaltigsten deutschen Schriftsteller unseres Jahrhunderts”. Für ihn bot die Einladung nach Augsburg die Gelegenheit, etwas von seinen “Leseerfahrungen mit diesem Dichter” weiterzugeben. “Interesse zu wecken und zu vermitteln” ist das vorrangige Ziel der Schauspielerin Gudrun Erfurth. Sie bezeichnet sich selbst als “begeisterte Leserin von Literatur im Allgemeinen” und kündigte an, daß sie -wie schon 1995 und 1996- auch 1997 bei der “Hermann Hesse -Reihe” wieder dabei sein wird. Bei Hans J. Ballmann spielt die Stilistik eine besondere Rolle. So schätzt er an TM dessen Beschäftigung mit Goethe, mit Musik und dem Theater, es sei “ein ästhetischer Genuß, ihn zu lesen”.


Die Beziehungen der Referenten zu Thomas Mann sind also vielfältig: sie reichen von persönlichen Verbindungen über literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung bis zu Faszination an Leben und Werk des Autors. Unabhängig davon, welche dieser Beziehungen im Vordergrund steht, spricht aus allen eine Begeisterung und der Wille, etwas von ihr in einem Projekt dieser Art weiterzugeben.


Frage 2: “Welche Eindrücke, Erfahrungen und Urteile haben Sie über das Projekt und die

Organisation gewonnen ?”


Bei nahezu allen Antworten wird ausdrücklich ein Faktum positiv gewürdigt: die “gute” bis “hervorragende” Organisation (“tadellos” / “vorzüglich” / u.a.). Auch die übrigen, die sich hierzu nicht äußerten, bemerken nichts Negatives. Dabei wird nicht nur die Organisation wegen des perfekten Ablaufs aller Veranstaltungen, sondern auch die Freundlichkeit, mit der man den Referenten allgemein begegnete, gelobt.


Das Projekt selbst beeindruckte die Referenten durch “ausgezeichnete Themenwahl” (Frido Mann), die einer “außerordentlichen Kompetenz” der Veranstalter zugeschrieben wird (Nike Wagner). Dazu zählt auch die Auswahl der Vortragenden, die als “vielseitg und niveauvoll” (Frido Mann) bezeichnet wird. “Das Programm war nach Personen und Veranstaltungen vorzüglich gemischt”, schreibt hierzu Manfred Dierks. Eine Meinung, die auch andere teilen, indem sie das breite Spektrum (“Für alle etwas”) hervorheben. Auch in weiteren Antworten wird auf diese Punkte verwiesen. Dr. Thomas Sprecher, der selbst die Veranstaltungen nicht besuchen konnte, kommt aufgrund der sehr guten Resonanz, die das Projekt in Pressemitteilungen hatte, zu dem gleichen Ergebnis.

Einige Referenten heben die Wirkung des Projekts über die Stadtgrenzen von Augsburg hinaus hervor:

H. Lindenmayr: “ ein gutes Aushängeschild für eine Stadt wie Augsburg, die so

sehr im Schatten von München steht.”

V. Michels: “ eine ausgezeichnete, ja für viele Städte nachahmenswerte Idee.”

Manche auswärtige Gäste bedauern, daß sie aus verschiedenen Gründen nur kurzzeitig in Augsburg sein konnten. Deshalb konnten oder wollten sie kein Gesamturteil über die ganze Veranstaltungsreihe abgeben. Wer das gesamte Projekt intensiv verfolgte, kommt allerdings auch zu einer kritischen Anmerkung über den Umfang: Obwohl das Spektrum grundsätzlich befürwortet wird, sei das Programm für das Publikum kaum zu bewältigen gewesen. In diesem Zusammenhang regen Prof. Koopmann und Björn Kommer an, den zeitlichen Rahmen eher zu reduzieren. Beim Versuch, alle Schichten anzusprechen, sei nämlich “Trivialisieren bei TM noch schlechter möglich als bei anderen Autoren. Denn Literatur bleibt Literatur.”



Frage 3: “Wie empfanden Sie Ihr Publikum, dessen Interesse und Reaktionen ?”


Insgesamt erntet das Augsburger Publikum ein großes Lob von allen Referenten. Während manche Veranstaltung, wie zum Beispiel die von Heinrich Lindenmayr, Nike Wagner und anderen, so stark besucht war, dass nachbestuhlt werden mußte, stellte Donald Prater fest, dass erwartungsgemäß “kein übergroßer Andrang herrschte”. Aufmerksamkeit und allgemeines Interesse empfanden alle Referenten als gut bis sehr gut. Egon Schwarz schreibt: “Man hätte eine Stecknadel fallen gehört, obwohl ich über eine Stunde sprach.” Eine Ausnahme bildete eine Schülergruppe, die bei einer Veranstaltung von Herrn Lindenmayr “zu spät kam und ohne Rücksicht auf akademische Gepflogenheiten den Ablauf störte”. Die Zuhörer erhielten von den Referenten vielfältige Komplimente mit unterschiedlichen Adjektiven: “optimal” (Lindenmayr), “kulinarisch” (Ballmann), “wohlwollend” (Prater), “sehr aufgeschlossen” (F. Mann), “anspruchsvoll” (Kommer). Thomas Sprecher hat sein Publikum “als interessiert und -mit einem Wort TM’s- empfänglich empfunden”.

Die Diskussionen im Anschluß an die Vorträge waren offensichtlich unterschiedlich rege. Volker Michels bezeichnete sie als “lebhaft und substantiell”. Teilweise dauerte sie fast ebenso lang wie das eigentliche Referat und enthielt “Aspekte, die über das Manuskript hinausgingen”. Auch Herr Kommer bestätigte ein großes Interesse, doch war ihm das Publikum “zu still”, was er auf “die Mentalität der Augsburger mit Angst, Falsches zu sagen” zurückführt. Jedoch erhielt auch er nach der Veranstaltung noch persönliche und telefonische positive Reaktionen.












Frage 4: “Befürworten Sie, dass die Stadt Augsburg auch in Zukunft Literaturprojekte

dieser Art veranstaltet ? Welche Autoren schlagen Sie für diesen Fall vor ?”


Das “selbstverständlich” von Volker Michels und “uneingeschränkt” von Frido Mann ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Antworten. Für die Auswahl “sollte man sich keine prinzipiellen Beschränkungen auferlegen” (Lindenmayr). Entsprechend lang ist die Liste der Vorschläge: Böll, Döblin, Goethe, Hofmannsthal, Hölderlin, Kästner, Luther, Mehring, Mörike, Muschg, Rilke, Tucholsky, Walser und Zweig. Diese bunte Reihe zeigt eine doppelte Chance auf: “neue Autoren entdecken, ältere Autoren wiederentdecken” (Nike Wagner). Herr Prof. Koopmann möchte weiterhin aus anderen Städten hören: “Augsburg macht was !”




3. Das Projekt aus Sicht der Förderer



Kultur in einer Stadt, und dazu zählt auch dieses Literaturprojekt, braucht Förderer. Ohne sie wären Veranstaltungen aller Art nicht möglich. Diese Gönner haben eine Vielzahl an Möglichkeiten, um ihr “Scherflein” einzubringen. Dies kann durch das Schalten einer Anzeige in einer Festschrift oder, wie in unserem speziellen Fall, in einem Programmheft geschehen. Sie können sich als Mitveranstalter engagieren, indem sie Räume oder anderes zur Verfügung stellen. Insgesamt gab es laut Programmheft über 30 solcher “Wegbereiter”. Schon die Erlaubnis zum Aushang von (Werbe-) Plakaten in Geschäften kann hilfreich sein. Für Sponsoring eröffnet sich bei gutem Willen und etwas Phantasie ein weites Feld. Diese kleinen Unterstützungen sind jedoch oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein. In unserer Zeit, da oft “nur Bares Wahres ist”, dürfen diejenigen nicht fehlen, die bereit sind, eine Sache mit großzügigen Geldspenden zu unterstützen. Diese werden unter anderem für die Honorare der Referenten und deren Reisekosten (Unterbringung, Fahrtkosten, etc.), Marketing und sonstige Veranstaltungskosten dringend benötigt. In unserem speziellen Fall waren dies neben der Stadt Augsburg als Veranstalter, die Augsburger Allgemeine, die Firma Haindl Papier GmbH, die Stadtsparkasse Augsburg und das Ingenieurbüro Stiermann GmbH. Diese vier Augsburger Unternehmen wurden in einem Brief gebeten, sich auf einem Antwortbogen oder in einem kurzen Statement zu ihrer Förderung des Literaturprojekts zu äußern. Alle kamen der Bitte innerhalb zwei Wochen nach. Die Antworten werden nachfolgend vorgestellt und kommentiert.





Frage 1: “Warum haben Sie diese Veranstaltungsreihe gefördert ?”


Auf diese Frage antworteten die Firmen mit einer Fülle von Motiven, ein Beweis dafür, daß oft ganz unterschiedliche Gründe für eine Förderung ausschlaggebend sind. Herr Günter Holland, der Herausgeber der Augsburger Allgemeinen, hebt in diesem Zusammenhang die grundsätzliche Aufgabe einer Lokalzeitung hervor, Kultur in der Stadt, in der sie erscheint, zu fördern. Dies geschehe vorwiegend durch publizistische Mittel, in diesem speziellen Fall jedoch auch materiell, da man von der Sachkompetenz derer, die an der Reihe mitwirkten (Organisation, Referenten), überzeugt gewesen sei.

Die Stadtsparkasse, allen voran Herr Vorstandsvorsitzender Gottfried Selmair, sprach die enge Verbindung der Stadtsparkasse zur Stadt Augsburg und ihren Bürgern an. Die Stadtsparkasse fühle sich als traditionelles Geldinstitut aller Bevölkerungs-schichten (vgl. Anzeige im Programmheft S.32: 70% aller Augsburger unterhalten bei ihr ein Konto). Über die reinen Geldgeschäfte hinaus sei sie mitverantwortlich für die Erhaltung bzw. Steigerung der Lebensqualität in Augsburg. Literatur stellt für sie ein wichtiges Stück “Basiskultur” dar. Sie sei “eine entscheidende Komponente von Bildung, Information und bei der Entwicklung eines kritischen Bewußtseins”. Diese Eigenschaften werden für eine Schlüsselqualifikation bei der Bewältigung der Zukunft gehalten.

Das Unternehmen Haindl Papier GmbH verweist auf ihre traditionellen Verbindungen zu Augsburg, speziell die Verbindung des Hauses mit der Familie Brecht, da der Vater Bert Brechts Direktor der Firma war. Desweiteren wird auch hier die hohe Qualität der Veranstaltungsreihen insgesamt gelobt.

Das Ingenieurbüro Stiermann, bekannt als ein Förderer diverser Augsburg -Veranstaltungen, spricht in diesem Zusammenhang die vorausgegangenen Reihen “Heinrich Heine” und “Bertolt Brecht” und die dafür geleisteten Förderungen an. Ganz besonders wird jedoch die Werbewirksamkeit solcher Projekte für Augsburg betont, die die Stadt in den verschiedenen Medien bundesweit ins Blickfeld von Literatur-interessierten gerückt hat.

Zusammenfassend läßt sich die Haltung der Sponsoren auf vier Hauptbeweggründe zurückführen: Stadt, Kultur, Qualität und Kontinuität. Die Liebe zu Stadt ist in allen Antworten deutlich erkennbar. Das Bekenntnis zum kulturellen Auftrag spricht für das Verständnis der Unternehmen über den engeren Firmenzweck hinaus. Allerdings ist dieses verbunden mit einem hohen Anspruch an Niveau und Qualität. Wird dieser Anspruch erfüllt, so wird nicht nur ein Einzelprojekt gefördert, sondern auch ein kontinuierliches Sponsoring der Literaturreihen erreicht.



Frage 2: “Auf welche Art haben Sie das Projekt unterstützt ?”


Der Beitrag der Sponsoren war überwiegend finanziell. Die Augsburger Allgemeine unterstützte das Projekt mit einer ungenannten fünfstelligen Summe und mit ihren publizistischen Beiträgen, hauptsächlich gekennzeichnet durch eine Artikelserie mit eigenem Logo und fast täglichen Berichten und Ankündigungen.

Die Stadtsparkasse förderte die Reihe mit einem Betrag von DM 20.000.-- und der mehrmaligen kostenlosen Bereitstellung ihres Vortragssaales in der Hauptstelle in der Halderstraße. Hierdurch wurden Mietkosten in erheblichem Umfang gespart, was den Wert der Förderung weiter erhöht.

Haindl nennt den bereitgestellten Betrag nicht und verweist darauf, daß ein Sponsor sehr zurückhaltend auftreten solle. Man weist jedoch darauf hin, daß die Firma sich dieses Jahr erstmals der Öffentlichkeit durch ihr Logo auf Plakaten etc. als Sponsor zeigt, was “ein klares Bekenntnis zu den Reihen” bedeute.

Die Stiermann GmbH beziffert den gespendeten Betrag mit DM 20.000 und fügt an, daß dieser Betrag auch bereits für die vorangegangenen Projekte zu Verfügung gestellt wurde.

Da auch die ungenannten Beträge mit Sicherheit im fünfstelligen Bereich liegen dürften, handelt es sich selbst bei Unternehmen dieser Größenordnung in wirtschaftlich schwieriger Zeit nicht um Bagatellbeträge, vielmehr stellt die Gesamtsumme eine tragende Säule der Literaturreihe dar.



Frage 3: “Haben sich Ihre Erwartungen bezüglich der Reihe erfüllt?”


Die Stadtsparkasse gibt an, daß ihre Erwartungen voll und ganz erfüllt worden seien. Man war sehr positiv beeindruckt von der Resonanz, die die Reihe in Augsburg und Umgebung fand. Besonders erwähnt werden die Veranstaltungen im eigenen Veranstaltungssaal mit Frau Dr. Nike Wagner und Frau Prof. Elisabeth Mann-Borgese, die - auch nach meinem persönlichen Eindruck - ein großer Erfolg gewesen sind. Beide befinden sich unter den ausgewerteten Vorträgen in Punkt 1.

Die Augsburger Allgemeine und die Stiermann GmbH hatten keinerlei Erwartungen hinsichtlich Werbung und Umsatz, jedoch wurde das rege Interesse beim Publikum mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Bei der Zeitung wird darin nicht zuletzt ein Erfolg der Veröffentlichungen gesehen. Das Ingenieurbüro lobte auch in diesem Zusammenhang die hohe Werbewirksamkeit für Augsburg.

Die Firma Haindl erkennt die Erfolge der Reihe mit großem Respekt an. Dies liege vor allem am überzeugenden Konzept von Herrn Dieter Grab, dem Organisationsleiter der Literaturprojekte in Augsburg. “Seine Kulturprojekte zählten nicht umsonst zu den wenigen Augsburger Highlights, die auch international Beachtung finden.”

Die durchgehend positiven Antworten sind zum einen ein Kompliment an die Reihe und deren Veranstalter, zum anderen bestärken sie sicherlich die Sponsoren in ihrem weiteren Engagement für Augsburg.

















Frage 4: “Befürworten Sie, daß die Stadt Augsburg auch in Zukunft Literaturprojekte dieser Art

veranstaltet ?”


Die Antwort auf diese Frage ist ein eindeutiges Ja. Sie beinhaltet den klaren Auftrag an die Stadt Augsburg, solche Projekte auch in Zukunft fortzuführen. Außerdem merkt die Haindl Papier GmbH an, daß bei weiteren Reihen solcher Art die Herstellung eines noch eindeutigeren und künstlerisch oder historisch begründbaren Bezugs zu Augsburg wünschenswert wäre. Aus dem zweiten Teil der Frage, nämlich welche Autoren die Sponsoren (im Fall einer Mitbestimmungsmöglichkeit) für die nächsten Jahre vorschlagen würden, kann man eine grobe Richtung erkennen: Schriftsteller der neueren deutschen Literaturgeschichte, zeitgenössische, noch lebende Literaten werden von den Förderern allgemein befürwortet. Herr Selmair nennt beispielsweise Max Frisch, Büchner oder Dürenmatt, nennt aber auch einen Klassiker wie Friedrich Schiller. In der Tat gibt es eine Vielzahl von Persönlichkeiten oder Gruppen, denen ein solches Projekt gewidmet werden könnte. Meiner Meinung nach käme auch eine regional geprägte Reihe, z.B. mit Schwerpunkt Schwaben, in Frage. Letztlich muß diese Entscheidung der Augsburger Stadtrat auf Empfehlung von Fachleuten treffen.



Frage 5: “Werden Sie auch in Zukunft Literatur und Kultur in Augsburg fördern ?”


Auch diese Frage wurden von allen Sponsoren übereinstimmend mit Ja beantwortet. Voraussetzung dafür ist allerdings, daß die Qualität der Veranstaltungen und das Niveau der bisherigen Projekte bestehen bleiben. Die Firma Haindl meint dazu ferner, daß dies durch den bisherigen Organisator Herrn Grab gewährleistet sei, aber nach wie vor jedes einzelne Projekt geprüft werde, ob es unterstützenswert ist. Damit ist das Fundament gelegt, die Reihen in dieser Form fortzuführen. Mittlerweile steht fest, daß es sich nicht nur um bloße verbale Ankündigungen handelt, sondern die Unternehmen ihr Versprechen gehalten haben und die im Januar 1997 beginnenden “Hermann Hesse - Veranstaltungen” tatkräftig fördern.



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