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Referat Der Philosoph Sokrates - Sein Leben, Charakter, Philosophie

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Der Philosoph Sokrates

Inhaltsverzeichnis


1. Sein Leben                               

2. Sein Charakter                         

3. Seine Philosophie                    

4. Sokrates Anklage und die Polis                                 

5. Seine Philosophie im Vergleich mit Aristoteles       

1. Sein Leben

1.1. Geburt und Eltern

In einem kleinen Vorort Athens, etwa eine halbe Stunde Fußweg außerhalb der Stadt, in Demos Alopeke, wurde um 469 v.Chr der Philosoph Sokrates geboren.

Seine Eltern, der Vater Sophrokes war ein angesehener Bildhauer und die Mutter Phainarete Hebamme, gehörten der gehobenen Mittelschicht an. Genauer gesagt gehörte er und seine Familie in die Klasse der Zeugitai, der dritten und untersten Klasse, die in Athen etwas galt.

Besonders von dem Beruf seiner Mutter war Sokrates sehr angetan und hat später in seiner Philosophie den Beruf der Hebamme genutzt, um an seinem Beispiel Gleichnisse anschaulicher zu machen.

1.2. Kindheit und frühes Erwachsenenleben

Über seine Kindheit ist nur sehr wenig überliefert worden. Es wird vermutet, dass er die übliche attische Schulbildung genossen hat und im Anschluss daran den Militärdienst leistete. Nebenbei half er vermutlich in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters, in der er den gleichaltrigen Kriton kennen lernte, der ihn mit in die Stadt nahm.

Sein Außeres war wahrscheinlich, wie sich aus den Überlieferungen schließen lässt, nicht dem damaligen Schönheitsideal entsprechend: Er besaß wohl einen dicken Bauch, Froschaugen und eine Knollnase und war vermutlich ziemlich klein.

1.3 Sokrates´ Familienleben

Um 450 v.Chr. heiratete Sokrates Xanthippe. Die beiden bekamen ein Kind namens Lamprokles. Auf Grund einer sehr niedrigen Einwohnerzahl wurde den Bürgern Athens  gewährt, eine zweite Ehe eingehen zu dürfen. So zeugte Sokrates mit einer zweiten Frau, Myrtha, noch zwei weitere Kinder, Sophroniskos und Menexos.


1.4. Sokrates im Krieg

Sokrates hat mit ziemlicher Sicherheit von 431 bis 429 v.Chr. im Peloponnesischen Krieg  und am Kampf in Potidai teilgenommen. Bei dieser Schlacht rettete er Alkibades das Leben, indem er ihn in einem Gewühl von Feinden vom Schlachtfeld trug. Nach Teilnahme an weiteren Kämpfen, lieferte er 404/403 v.Chr. einen weiteren Beweis seiner Tapferkeit: Unter Lebensgefahr verweigerte er einen Befehl, um sich nicht an einem politischen Mord mitschuldig zu machen. Kritias nämlich, der damalige Führer der Regierung, befahl den Demokraten Leon in Salamis festzunehmen und ihn nach Athen zu bringen, wo ihn sein Todesurteil erwartete. Nur durch den Zufall, dass Kritias verstarb, konnte Sokrates am Leben bleiben.

1.5. Die Anklage

Um 399 v.Chr. wurde Sokrates von drei angesehenen Männern aus Athen, Anytos, Lykon und Meletos, angeklagt. Meletos war der Hauptkläger. In der attischen Ordnung gab es zwei Arten von Klagen: die öffentliche Anklage, die nur direkt von dem Verletzten oder dessen Vertreter und die private Anklage, die von jedem unbescholtenen Bürger erhoben werden konnte. Sokrates hatte sich gegenüber einer öffentlichen Anklage zu verantworten. Der Gerichtshof bestand aus den üblichen 501 Geschworenen bei größeren Prozessen. Die Anklage lautete wie folgt:

"Zur Niederschrift gegeben hat dies Meletos, der Sohn des Meletos aus Pitthos, gegen Sokrates, den Sohn des Sophraniskos aus Alopeke: Sokrates handelt rechtswidrig, indem er die Götter, die der Staat anerkennt, nicht anerkennt und andere, neuartige göttliche, dämonische Wesen einzuführen sucht; er handelt außerdem rechtswidrig, indem er junge Leute verdirbt. Strafantrag: Tod!"


In Wirklichkeit wurde sich in Athen um die Religiosität eines anderen nicht gekümmert, aber es war jeder Vorwand recht, um einen politischen Gegner aus dem Weg zu räumen.

Der attischen Prozessordnung entsprechend, verteidigte sich Sokrates vor Gericht selbst. Es wäre zwar erlaubt gewesen, eine vorgefertigte Rede eines Schreibers zu verlesen, doch das Angebot des Lysias lehnte er ab. Der erste Teil seiner Verteidigungsrede spricht direkt die Vorwürfe gegen Sokrates an. Daraufhin wird Sokrates zum  ersten Mal mit 280 (schuldig) zu 220 (nicht schuldig) für schuldig gesprochen. Allerdings wird angenommen, dass die Geschworenen bestochen wurden. Der zweite Teil macht von dem Recht Gebrauch, einen anderen Strafantrag zu stellen. Sokrates eigener Antrag schlägt jedoch mehr eine Belohnung, als eine Bestrafung vor. Er fordert eine Ausspeisung im Pyrtaneum. Jedoch hat er mit diesem Vorschlag die Geschworenen so verärgert, dass viele von ihnen die Meinung änderten: Nun wurde er mit 360 zu 140 Stimmen für schuldig erklärt. Der dritte Teil beinhaltet lediglich Schlussworte an die Richter.

1.6. Der Vorschlag zur Flucht

Zwischen dem Schuldspruch und der Vollstreckung des Todesurteils lag eine ungewöhnlich lange Zeit. Dies war dem Schiff zu "verdanken", das von Athen alle neun Jahre losfuhr, um dem Gott Minotaurus auf Kreta ein Opfer von sieben Mädchen und sieben Jungen zu bringen. Das Gesetz schrieb vor, dass während der Zeit, die dieses Schiff unterwegs war, keine Todesurteile durchgeführt werden durften. Sokrates wurde in dieser Zeit täglich von engen Freunden besucht und eines Tages versuchte Kreon ihn zur Flucht aus Athen zu überreden. Nach langem Nachdenken entschied er sich aber dafür, dass sein Tod die bessere Entscheidung sei, als sich den Rest seines Lebens verstecken zu müssen.

"Es ist besser, Unrecht zu leiden, als Unrecht zu tun."

1.7. Der Todestag

Um 399 v.Chr. stand der Todestag von Sokrates bevor, den er mit seinen engsten Verwandten verbrachte. Seine weinende Frau Xanthippe schickte er weg, was für das damalige Verhalten eines Mannes üblich war. Übrig blieben Appolodoros, Kritobulos mit seinem Vater Kriton, Hermogenes, Epigenes, Aischines, Antistehnes, Ktesippos und Menexos, sowie Simias, Kebes und Phaidones aus Theben und Eukleides und Terpsion aus Megara.

Die Männer diskutierten bis tief in die Nacht über die Unsterblichkeit der Seele, bis Sokrates ruhig und besonnen den Schierlingsbecher leerte.

2. Sein Charakter

Über den Charakter von Sokrates weiß man erstaunlich gut bescheid. Er war vermutlich sehr abgehärtet, da er das ganze Jahr über barfuss ging und dünn bekleidet war. Grund dafür war wahrscheinlich, dass er jeglichen Luxus ablehnte, auch wenn er sich ihn hätte leisten können.

Er hatte das gesamte Geld seiner Eltern aufgebraucht, weil er ein einfaches Leben hatte führen wollen. Das bestätigt er mit folgendem Satz, den er oft gebraucht hat: "Wie zahlreich der Dinge, derer ich nicht bedarf."

Außerdem galt er als äußerst scharfsinnig und einfältig und besaß angeblich ein großes Maß an Selbstbeherrschung, Schlagfertigkeit und Humor.


Sokrates galt sowohl als tapfer als auch als hilfsbereit. Er kämpfte in zahlreichen Kriegen und  befreite Freunde aus lebensbedrohlichen Situationen.

Ein besonderes Kennzeichen seines Charakters ist die Gedankenversunkenheit. Es heißt, dass er wegen Geistesverwirrung zu vielen Veranstaltungen zu spät gekommen war. So wird in einem von Platons Dialogen beschrieben, dass er eines Abends auf dem Weg zu einem Freund plötzlich stehen blieb und dort die ganze Nacht über eine Idee nachdachte, die ihm gerade gekommen war.

Sokrates hörte eine innere Stimme, die er selbst ein "daimonion" nannte. Er glaubte, dass sie ihm bei seinem Handeln leiten würde, und er hörte auf sie, wenn er nicht mehr weiter wusste.



3. Seine Philosophie

3.1. Die Mäeutik 

Sokrates verstand seine Philosophie als Mäeutik, die auch Hebammenkunst genannt wird. Denn er wollte seine Zuhörer nicht von seinen Einstellungen überzeugen, sondern ihnen Helfen, selbst die Einsicht und Selbsterkenntnis zu finden und er wollte diese Menschen dazu bringen, selbst nach der Wahrheit zu suchen.

3.2. Das Universale

Sokrates versuchte die Begriffe Tapferkeit, Wahrheit, Frömmigkeit, Gerechtigkeit, die Tugend und vor allem das Schöne und  das Gute zu ergründen. Habe man nämlich einmal das wirklich Gute gefunden, wäre man nicht mehr imstande, Böses oder Ungerechtes zu tun.

Sokrates galt als immer optimistisch. Seiner Meinung nach könnte niemand, der weiß, was eine schlechte Handlung ist, solch eine auch vollstrecken. Und er hielt es für unmöglich, glücklich zu werden, wenn man gegen seine eigene Überzeugung vorgehe.

3.3. Die sokratische Ironie

Die Ironie, griech. die eironeia, ist ein weiteres Hilfsmittel Sokrates gewesen. Er verstellte sich absichtlich und benahm sich so, als hätte er nicht verstanden, was sein Gesprächspartner gemeint hatte. Dies führte dazu, dass sie sich selbst widersprachen und am Ende erkennen mussten, dass ihre zuvor vertretene Meinung nicht die vollkommen richtige oder falsche gewesen ist.

Ihm war aber auch klar geworden, dass es tatsächlich ein paar Dinge gab, die er über das Leben und die Welt nicht verstand und nicht wusste. Diese formulierte er in seinem bekannten Satz: "Ich weiß, dass ich nichts weiß!"


Mit einem weiteren Ausspruch bestätigte er sich selbst, dass er der Klügste sei, obwohl er sich eingestanden hatte, dass er nichts wusste. "Die Klügste ist die, die weiß, dass sie nichts weiß". Selbst das zu dieser Zeit als allwissende geltende Orakel Delphi bestätigte ihm das.

3.4. Die zwiegespaltene Persönlichkeit

Trotz seiner schon erwähnten Hilfsbereitschaft und Tapferkeit vernachlässigte Sokrates oftmals seine Familie und seine Arbeit im Haus. Er kümmerte sich weder um seine Kinder noch um seinen eigentlichen Beruf als Steinmetz. Er folgte lieber ausschließlich seiner Berufung, der Philosophie.

Seine Prophezeiung an einen Heiratswilligen "Was du auch tust, du wirst es bereuen", lässt vermuten, dass seine Ehe nicht die glücklichste war.

In vielen Quellen wird berichtet, dass Xanthippe einen sehr tyrannisierenden Charakter gehabt haben soll, wodurch Sokrates seine Familie wohl oft gemieden hat. Seine Frau wollte ihn unbedingt von seiner Philosophie abbringen, da ihr seine Lebensart nicht gefiel. Doch sie erreichte nur, dass er immer mehr in seine Gedankenwelt abtauchte, und immer länger weg blieb, um mit Freunden zu diskutieren.

3.5. Seine philosophische Lehre

Sokrates ging davon aus, dass jeder Mensch aufgrund seiner Vernunft, die menschlich und naturgegeben ist, die Wahrheit verborgen in sich trage. Diese müsse nur "geboren" werden, weshalb Sokrates seine Lehre als Mäeutik, also Hebammenkunst, auffasste. Mit der Mäeutik wollte Sokrates den Menschen helfen, ihr "Ideenbaby" auf die Welt zu bringen. Durch das elenktische Verfahren, seinem Gesprächspartner so lange Fragen zu stellen, bis diesem klar wird, dass er nur "Scheinwissen" anwendet, diesen dann auf die Suche nach dem wahren Wissen zu schicken, versuchte Sokrates seinen Mitbürger zur Besinnung auf das Wesentliche zu führen, vom Besonderen zum Allgemeinen zu kommen, um schließlich zur Wesensbestimmung zu gelangen.
Sokrates stellte die Frage nach dem Guten (agathon) und der Tugend (arete), die das richtige Handeln begründeten und schließlich die Glückseligkeit herbeiführen sollten. Diese Vollkommenheit könne aber erst nach erlangter Selbsterkenntnis eintreten, weshalb Sokrates forderte:      "Erkenne Dich selbst!"
Jeder solle sich um seine Seele sorgen, sich also um die philosophische Einsicht in das Wesen der Tugenden bemühen, da nämlich das Gutsein des Menschen aus der Verfassung seiner Seele entspringe. Tugend sei Wissen und weil jeder zur Tugend geeignet, weil zur Erlangung der Weisheit befähigt sei, könne jeder lernen, gut und wissend zu werden und dieses theoretische Wissen in Form von sittlichem Handeln in die Praxis umzusetzen. Sokrates stellte sich gegen das Streben nach dem Materiellen, weil für ihn die Sorge um "äußere" (also materielle) Güter das Streben nach falschen Gütern war. Für ihn war die wesentlichste aller Aufgaben das Erkennen und Erlangen der Tauglichkeit und Tüchtigkeit (die spezifische arete) der menschlichen Seele, weil diese das Gute hervorbringe. Obgleich Sokrates überzeugt war von der Auffassung
"Niemand tut gegen besseren Wissens freiwillig Böses." , so war er doch der Meinung, dass sich die meisten Menschen aufgrund ihrer Unkenntnis über Gut und Böse im Irrtum über das Wesentliche des Lebens befänden und deshalb schlecht, weil nicht um die Seele sondern um Außeres besorgt, handelten.
Und hier setzte Sokrates seine Mäeutik und Elenktik ein, brachte Scheinsicherheiten zum Einsturz und verhalf den Menschen zur Selbsterkenntnis, durch die sie sich schließlich Rechenschaft über ihr Leben ablegen konnten, was das Ziel des philosophischen Gespräches war. Für Sokrates war die Philosophie die Anwendung von Verstand und Vernunft, so dass auch sein Verständnis von Gerechtigkeit, Liebe, Tugend und Selbsterkenntnis rein rational war.

3.6. Die Art zu philosophieren

Sokrates pflegte es, auf öffentlichen Plätzen und Straßen Athens seinen Mitbürgern, insbesondere der vornehmen Jugend, seine Lehren zu vermitteln, was er aus seiner Überzeugung heraus und seiner pädagogischen Leidenschaft tat.

Auf Grund dieser Art zu philosophieren und seines Verständnisses der Philosophie hat Sokrates keine Schule gegründet.

3.7. Die Quellen seiner Philosophie

Sokrates selbst hat in seinem Leben keine Schriften verfasst. Unsere Kenntnis seiner Philosophie verdanken wir in erster Linie den Dialogen seines Schülers Platon (428 - 348 v.Chr.), dem heute jedoch nachgesagt wird, dass er Sokrates Namen für seine eigene Philosophie benutzte.

Neben Platon hielten die Dichter und Philosophen Xenophon (426 v.Chr - 355 v.Chr.), Aristoteles (384-322 v. Chr.), der Sokrates nur vom Hörensagen kannte, sowie Aristophanes (445 - 385 v.Chr.) sein Leben und seine Lehren schriftlich für die Nachwelt fest.










4. Sokrates Anklage und die Polis

Über die Gründe von Sokrates Anklage gibt es bis heute zahlreiche Spekulationen. Aus den Schriften des Xenophon,  in denen er die Lehren von Sokrates, sein Leben und seinen Charakter in Form einer Würdigung seiner Person auswertet, lässt sich aber manch Antwort entnehmen. Im ersten Teil will seine Schrift das Persönlichkeitsbild, das der Anklage und dem Todesurteil gegen Sokrates zugrunde liegt, öffentlich zurechtrücken. Wahrscheinlich möchte der um 393 v.Chr. aus Athen verbannte Xenophon auch eine gewisse Kritik an einigen Schwächen der attischen Staatlichkeit üben. Die ersten beiden Bücher setzten sich mit der Anklageschrift gegen Sokrates auseinander und es entsteht hierbei ein besseres Bild einer in Athen offenbar langjährigen Missstimmung und Gerüchtebildung gegen Sokrates als in anderen zeitgenössischen Schriften. Schon in den 20ern des 5.Jhr. v.Chr. kam Kritik an den Lehren des Sokrates auf, die angeblich wortverdrehend und nutzlos gewesen sein sollen. Hinzu kam dann 406 v.Chr. der Arginusen - Prozess, bei dem sich Sokrates unter Hinweis auf die Verfassung weigert, einen Beschluss der Volksversammlung als verfassungsmäßig und rechtsgültig anzuerkennen. Dadurch scheint er sich den Ruf eines "Verächters des Demos" zugezogen zu haben.

Man gewinnt den Eindruck, dass an Sokrates auf Grund seiner Popularität ein Exempel statuiert worden ist, mit dem die  Kritik aus dem Volk an dem zeitweise unpopulären und tyrannischen Regime unterdrückt werden sollte.

In diesem Wahrnehmungsrahmen erschienen einige Aussagen von Sokrates als gerichtet gegen religiöse Auffassungen (wie zum Beispiel die innere Stimme "daimonion"), gegen einige politische Verfassungstraditionen sowie gegen einige grundlegende familiäre Konventionen(Sokrates äußerte Zweifel an Autoritätsanspruch der Eltern und an dem Nutzen verwandtschaftlicher Bindungen). Somit galten all seine Lehren als pure Kritik, die nur destruktive Auswirkungen auf das Bewusstsein der Zuhörer nach sich ziehen sollten.

In anderen geschichtlichen Quellen wird auch beschrieben, dass die Missstimmung gegen Sokrates durch einige Personen ausgelöst worden ist, die persönliche Kränkungen von Sokrates einstecken mussten und somit begannen, ihn in aller Öffentlichkeit anzugreifen.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass Sokrates Anklage zum einen auf persönlichen Motiven, aber auch auf politisch ideologischen Motiven beruht. Die langjährige gegen Sokrates gerichtete Missstimmung kam mit der Anklage erst zu ihrem Höhepunkt auf Grund der zugespitzten innenpolitischen Stimmungslage nach dem peloponnesischen Krieg.


5. Vergleich mit dem Idealbild des Aristoteles

Aristoteles unterschied in der Ethik zwischen zwei Tugenden, so gäbe es die moralische Tugend und die Tugend des Denkens. Die moralische Tugendhaftigkeit sei Ausdrucksform des Charakters, die durch Gewohnheiten angelernt werde und den Weg zur Glückseligkeit auf dem Mittelweg, die Extreme meidend, erlange. So sei zum Beispiel der mittlere Weg zwischen Feigheit und Tollkühnheit die Tapferkeit, da diese beide vereint, obwohl sie beide direkt meidet. So ergibt sich hier schon ein erster Unterschied zu Sokrates, der die Auseinandersetzung mit jeglicher Seite forderte, um schließlich Rechenschaft über das eigene Leben ablegen zu können. Außerdem war für Sokrates die Vernunft die Basis der menschlichen Erkenntnisse und nicht die Erfahrung, wie für Aristoteles. Aber erst mit Blick auf die Tugend des Denkens lässt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Aristoteles' und Sokrates' Einstellung erkennen: Aristoteles nach, könne die vollkommene Tugend nämlich einzig von einem reifen erwachsenen Mann und nie von einer Frau, einem Kind oder einem Barbaren erlangt werden. Sokrates vertrat jedoch die Position, dass jeder zur Tugend geeignet und zur Erlangung der Weisheit befähigt sei, dass also die Ethik jedes Menschen von Grund aus die gleichen Möglichkeiten habe.
Es lässt sich sagen, dass die grundsätzlich verschiedenen Vorstellungen von Tugend in der Konsequenz für die beiden auch andere Wege zur Glückseligkeit forderten. Während Sokrates die Selbstprüfung und Selbsterkenntnis für unerlässlich für das Erreichen eines vollkommenen und glücklichen Lebens hielt, so sollte nach Aristoteles der ebenere Weg durch die Mitte eingeschlagen werden. Dieser Gegensatz lässt sich durch Aristoteles' Auffassung von Politik erklären, wonach diese nur durch Unterschiede, zum Beispiel arm und reich, funktionieren könne und dass diese Unterschiede aus den Fähigkeiten der Bürger hervorgingen, die entweder zu Höherem oder Niederem berufen seien. Zudem gab es für  Aristoteles die Gattung eines unbedeutenden Menschen und das war der Nichtgrieche, Nichtpolit, der Barbar.








Quellenverzeichnis


Peter Kunzmann/Franz-Peter Burkard/Franz Wiedmann, dtv Atlas für Philosophie, Deutscher Taschenbuchverlag München 1991, Seite 37

Georg Klaus/Manfred Buhr, Philosophisches Wörterbuch L-Z, Bibliographisches Institut Leipzig 1975

Harenberg Kompaktlexikon in 5 Bänden. Harenberg Lexikon Verlag, Dortmund 1994, Band 5 Seite 2802 und 2803

Microsoft Encarta Enzyklopädie 1999. CD-Rom, Microsoft Corporation. "Sokrates"

Prof. Dr. Jürgen Malitz, Sokrates im Athen der Nachkriegszeit: www.gnomon.ku-eichstaett.de

www.info-antike.de

www.philosophenlexikon.de

www.rasscass.com





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