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Referat Die Räuber- Literarische Erörterung



literatur referate

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Schiller: Die Räuber

Hausaufsatz aus dem Deutschen



Setzen sie sich kritisch mit den Selbstmordgedanken von Karl und Franz Moor

auseinander.


Literarische Erörterung


A: Selbstmord - Eine einfache Art der Problemlösung

B: Selbstmordgedanken von Karl und Franz Moor berechtigt?

I. Argumente für den Selbstmord von Franz Moor

1. Materialismus

2. Konsequentes Leben

II. Argumente für den Selbstmord von Karl Moor

1. Zweifel über die Richtigkeit seines Räuberdaseins

2. Tod Amalias



3. Verpflichtungen gegenüber seinen Kameraden

C: Keine Wahl

In der Weihnachtszeit ist die Selbstmordrate bekanntlich besonders hoch. Aufgrund des Selbstmordes eines Familienvaters, der wegen hoher Schulden keinen Ausweg aus seiner Lage sah und sich im Wald erschoß, überlegte ich mir, ob er es sich nicht etwas zu einfach gemacht hat.

Diese Frage könnte man auch auf die Hauptfiguren von Schillers Räuber beziehen. Franz und Karl Moor beenden ihr Leben am Ende des Stücks. Das Drama spielt in Franken zur Zeit des Sturm und Drangs. Schillers Räuber wurde in mehreren Versionen inszeniert und steht auch in der heutigen Zeit noch auf den Theaterspielplänen. Das Buch gehört außerdem zu den oft gelesenen Werken der Oberstufe. Aufklärend muß allerdings gesagt werden, daß sich in diesem Stück nur Franz erdrosselt, sein Bruder liefert sich der Polizei aus, wo er mit Sicherheit zum Tode verurteilt wird, was allerdings einem Selbstmord gleichkommt.

Als Grund für den Selbstmord von Franz Moor wäre als erstes zu nennen, daß Franz Materialist ist und diesen Materialismus bei Stürmung seines Schlosses und anschließendem Fall in die Hände seines Bruders, nicht mehr hätte weiterleben können. Daß Franz Materialist ist bedeutet, daß er davon überzeugt ist, daß alle natürlichen (physischen) Vorgänge, die Folgen materieller Veränderungen sind. Als Beweis für sein materialistisches Denken zitiere ich folgende Zeilen (S.38 Z.7 “zähen Klumpen Fleisch” und Z.11f “Soll sich mein hochfliegender Geist den Schneckengang der Materie ketten lassen?”), womit er das Leben seines Vaters beschreibt. Des weiteren äußert er sich selbst über das Zusammenspiel von Körper und Geist (S. 38 Z. 24-26) “Philosophen und Mediziner lehren mich, wie treffend die Stimmungen des Geistes mit den Bewegungen der Maschine zusammenlauten.” Diese Materie geistig zu erfassen und zu beherrschen, den Gang der Maschine nach seinem eigenen Willen zu lenken, den Vater von der Psyche her zu töten und Herr zu werden im Schlosse Moor, das ist das verbrecherisches Ziel dieses “hochfliegenden Geistes”, der sich nicht an den Gang der Materie ketten lassen will.

Als zweiten Grund für seinen Entschluß seinem Leben ein Ende zu setzen, ist anzumerken, daß Franz ein Leben nach seinen eigenen Konsequenzen führt. In seinem Leben ist alles genau geplant. Niemand soll sein Leben stören oder ihn daran hindern, Reichtum und Macht zu bekommen. Seine Untertanen behandelt er menschenunwürdig. Die Steine, die ihn an seinem Vorhaben hindern, werden beseitigt. Dies sieht man daran, daß er erst seinen Bruder für tot erklären läßt und dann seinen Vater “materialistisch” umbringen will. Als dieser zu seinem erschrecken nicht tot ist, begräbt er ihn sogar lebendig. Der alte Graf von Moor führt aus, daß er, als er die Nachricht vom Tod seines Sohnes erfuhr, in eine tiefe Ohnmacht fiel, und als er wieder zu sich selbst kam, lag er schon auf der Bahre und in ein Leichentuch gewickelt wie ein Toter. Als er an dem Deckel kratzte, wurde er von Franz geöffnet, welcher mit entsetzter Stimme rief, ob er denn ewig leben wolle. Anschließend fiel der Sargdeckel wieder zu (vgl. S. 122 Z.7-15). Hier wird besonders deutlich, daß Franz vor Nichts zurückschreckt um seine Ziele zu erreichen.

Als nun die Räuber von Karl Moor dabei sind das Schloß zu stürmen, sieht er zum einen seinen Besitz vernichtet, zum anderen kann er sein konsequentes Leben nicht mehr weiterführen. Er wird entweder getötet oder fällt in die Hände eines anderen und kann somit seinen unbeirrbaren Weg nicht weiterführen. Dies ist natürlich gleichermaßen ein Ereignis, das er nicht eingeplant hatte, welches aber fatale Folgen für ihn und sein Leben hat. Deswegen beschließt er als letzte, selbstbestimmte Tat, seinem Leben ein Ende setzen zu lassen, und als das nicht geht, es selbst zu tun. Als Bestätigung dieser These könnte man sehen, daß er sich umbringt, indem er sich mit seiner eigenen Hutschnur erdrosselt, was sehr viel eigene Kraft und Willen kostet, da es eine grausamere und langwierigere Art zu sterben ist, als sich in den Degen zu stürzen, welchen sein Diener Daniel hätte benutzen sollen, um ihn zu töten, dieser aber weigert sich (vgl. S.137 Z.31-36).



Im Gegensatz zu Franz, der nur seinen materialistischen Kollaps und die Zerstörung seines konsequenten Lebens und Denkens als Schreckensvision vor Augen hat, plagen Karl weitgehend psychische Probleme.

Karl denkt über die Vergänglichkeit der Dinge nach, und er sehnt sich danach sein bisheriges Leben ungeschehen zu machen. Er führt aus, daß in einer Nacht Getreide durch Hagel vernichtet werden kann und zieht als Schlußfolgerung, daß alles zugrunde gehen wird (vgl. S.82 Z.30-S.83 Z.3). Als Räuber Schwarz sich über den Sonnenuntergang freut, wird Karl zutiefst gerührt und verfällt in Jugenderinnerungen, die beinhalten “wie sie zu leben und zu sterben” (S.83 Z.28). Anschließend äußert er den Wunsch wieder Kind zu sein, denn jetzt ist er ein Ungeheuer, “warum ich allein die Hölle saugen aus den Freunden des Himmels?Ich allein der Verstoßene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinennimmer mir der Geliebten schmachtender Blick nimmermehr des Busenfreundes Umarmung! Umlagert von Mördern angeschmiedet an das Laster mit eisernen Bandener allein sei der einzige, der Verstoßene, aus den Reihen der Reinen. Er ist umlagert von Mördern, angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden - hinausschwindelnd ins Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendes Rohr” (S.84 Z.20-32).

Als anläßlich einer Befreiungaktion viele unschuldige Menschen sterben, zürnt er über den Schufterle, einen seiner Kameraden, dem das Ermorden Unschuldiger Spaß macht. Dann kommt er ins Philosophieren und erklärt, daß man nicht kontrollieren könne, ob es nur den Schlechten oder auch den Guten trifft. Er stellt fest, daß diese schrecklichen Taten seine schönsten Werke vergiftet hätten. Seine Werke vergleicht er mit dem Racheschwert der obern Tribunale. Dann wirft er den Schufterle aus seiner Bande.

Seine darauffolgende Aussage, sich deswegen in irgendeine Kluft der Erde verkriechen zu wollen, wo der Tag vor seiner Schande zurücktreten würde (vgl. S.68 Z.38), kann man als Selbstmordgedanken sehen. Zusätzlich wird ihm später bewußt, daß es falsch ist, das Gesetz durch Gesetzlosigkeit aufrechterhalten zu wollen (vgl. S.147 Z. 10f). Hieraus kann man ebenfalls seine Verzweiflung über sein bisheriges Leben sehen und gleichfalls gewisse Gedanken diesem Leben für immer entfliehen zu wollen.

Diese Schwierigkeiten allein würden Karl zwar nicht dazu bewegen, sein Leben zu beenden, aber als Amalia stirbt, nähert er sich seinem Vorhaben doch um einen gewaltigen Schritt. Um die Bedeutung Amalias für Karl deutlich zu machen, muß man wissen, daß Karl und Amalia in sich verliebt waren und, daß Karl Amalia einen Ring geschenkt hat, der vermutlich ein Verlobungsring sein sollte. Als Amalia die Nachricht vom Tod Karls erhält, verfällt sie in tiefe Trauer, nimmt sich aber keinen anderen Mann.

Bei der Zurückkehrung Karls nach vielen Jahren auf das Schloß gibt er sich als Graf von Brand aus und trägt eine Maske. Als er ihr begegnet, erkennt sie ihn nicht. Er entnimmt ihren Außerungen und ihrem Verhalten, daß sie ihn immer noch liebt (vgl. S. 96 Z.5 und S. 109 Z.28f). Dadurch, daß Karl sich als Graf ausgibt, Amalia ihrem Karl aber treu bleibt, ist es ihm unmöglich, Amalia zurückzugewinnen, ohne sie mit seinem Räuberleben zu erschüttern. Amalia hegt allerdings gleichermaßen Liebesgedanken gegenüber dem Grafen. Diese Zwiespältige Liebe ist ein Musterbeispiel für ausschweifende Empfindsamkeit. “und das sprach er mit einer Stimme! - mit einer StimmeNein, nein, weg aus meiner Seele, du Frevelbild - ich habe meinen Eid nicht gebrochen, du Einziger!im Herzen, wo Karl herrscht, darf kein Erdensohn nisten Nimmer sehen soll mein Aug diesen Fremdling!” (S. 108 Z. 4-21). Als Karl, als Graf verkleidet, die Gartenlaube betritt, eröffnet ihm Amalia, daß sie immer noch in Karl einzig und allein verliebt ist, gibt aber gleichzeitig ihre Neigung zu dem Grafen zu. (S.108 Z.27f ) “Nein, du sollst mir meinen Karl nicht entreißen!”. Als Amalia Karl später im Wald zusammen mit seinen Räubern begegnet, erzählt er, daß er Räuberhauptmann ist. Amalia ist nach dieser Nachricht zwar kurz bestürzt, vergibt ihm dann aber (S.143 Z. 32f ) “Mörder! Teufel! Ich kann diesen Engel nicht lassen.” Zwar möchte er erst vor Scham fliehen, ist dann aber überglücklich, als sie ihm vergibt “Einziger, Unzertrennlicher!” dann Karl “Sie vergibt mir, sie liebt mich. - Weinenden Dank dir, Erbarmer im Himmel!” (S.144 Z.5-8). Karl hat seinen Seelenfrieden wiedergefunden (vgl. S.144 Z.10f). Für Karl ist die Welt jetzt zwar wieder in Ordnung aber seine Räuberkumpanen erlauben ihm nicht, sein Räuberdasein zu beenden. Sie verlangen von ihm, Amalia, die er gerade zurückgewonnen hat, wieder zu opfern “Opfer um Opfer! Amalia für die Bande!“ (S. 145 Z. 4f). So faßt er schließlich den Entschluß, Amalia zu verlassen und sein Leben weiter als Räuber zu fristen. Dies kann Amalia aber nicht ertragen und möchte, wegen des erneuten Verlustes ihres Karls, von ihm getötet werden (vgl.S.145 Z. 19-35). Dieser weigert sich zunächst. Als ein anderer Räuber allerdings Anstalt macht, dies zu tun, überwindet er sich doch noch und ermordet sie.



Nachdem er nun Amalia verloren hat, gehen die Räuber davon aus, daß er sie weiter anführen würde, da sie alles sind was er hat. Er aber legt das Amt des Hauptmannes nieder, was klar gegen seinen Treueschwur verstößt “Ich will euch niemals verlassen”(S.86 Z. 16f). Er bedauert sich angemaßt zu haben, wie Gott richten zu dürfen und beschließt, daß die einzige Möglichkeit diese Ordnung wieder herzustellen, sich selbst zu opfern ist (vgl. S.146 Z.9-30). Karl hat also keine Möglichkeit dem Räuberleben, das er als falsch erkannt hat, zu entfliehen. Allerdings ist es interessant, daß er den Selbstmord als Todsünde sieht, denn er entgegnet ihnen “Meint ihr wohl gar, eine Todsünde werde das Aquivalent gegen Todsünden sein,.Ich geh mich selbst in die Hände der Justiz überliefern.”(S.147 Z.34-39), was allerdings einem Selbstmord genauso gleichkommt, denn er hat mit der Todesstrafe zu rechnen. Allerdings möchte er als ehrenvollen Zug sich einem Mann übergeben, der dann für seine Auslieferung tausend Louisdore bekommt. Wegen seines Treueschwures lassen ihn die Räuber vermutlich nicht lebend gehen, also muß er, um nicht noch mehr Sünden zu begehen, sich selbst umbringen.

Wenn ich mich nun angesichts dieser Punkte frage, ob der Selbstmord dieser beiden Figuren berechtigt ist, komme ich zu dem Schluß, daß sowohl Franz als auch Karl aus ihrer Sicht keine wirkliche Alternative hatten. Beide hätten, wenn sie weitergelebt hätten, ein für sie höchst unbefriedigendes Leben geführt. Karl, der seine Amalia verlor, in seinem Räuberdasein keinen Sinn mehr sieht, aber nicht die Möglichkeit hat, sein Räuberdasein lebend zu beenden und selbst, wenn ihn die Räuber gehen lassen würden, wäre er der Polizei schutzlos ausgeliefert gewesen. Franz, der alles verloren hat, einschließlich seines Stolzes, wenn er in die Hände von Karl gefallen wäre, vermutlich auch sein Leben. So sind beide dem Tod durch Fremdeinwirkung nur zuvorgekommen.

Der Familienvater, der wegen Finanzproblemen keinen Ausweg mehr aus seiner Lage sah, hatte dagegen bessere Alternativen als seine Familie auf diese Art im Stich zu lassen. Da ich persönlich auch drei Leute kenne, die Selbstmordversuche hinter sich haben, wobei einer erfolgreich mit seinen Bemühungen war, und mir ihre angegebenen Gründe anschaue, mit denen sie ihr Ableben rechtfertigten, komme ich zu der Feststellung, daß sie trotzdem noch Chancen gehabt hätten, ein anständiges Leben zu führen.

Abgesehen davon existiert die verbreitete Meinung, daß niemand Gott ins Handwerk pfuschen soll.




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