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Referat Padagogischer psychologie - depressionen

psychologie referate

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Seminararbeit

aus

PADAGOGISCHER PSYCHOLOGIE

DEPRESSIONEN


INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Definition

2.1.Abgrenzung der Depression von der Trauer und der Melancholie

3. Verteilung depressiver Menschen: Männer - Frauen

3.1.Depressionen nach der Geburt eines Kindes

4. Verschiedene Arten der Depression

4.1. Anaklitische Depresssion

4.2. Schuldepression

4.3. Larvierte Depression

4.4. Verlängerte Trauerreaktion

4.5. Somatogen depressive Störung

5. Die endogene Depression

5.1. Allgemeines

5.1.1. Bipolare Depressionen

5.1. 2. Unipolare Depressionen

5.2. Symptome endogener Depressionen

5.2.1. Beharrungstendenz

5.2.2. Psychische und körperliche Hemmung

5.2.3. Absoluter Pessimismus

5.2.4. Selbstvorwürfe

5.2.5. Angst

5.2.6. Hypochondrische Ideen

5.2.7. Körperliche Symptome

5.2.8. Intensive Selbstmordtendenz

5.3. Behandlungsmöglichkeiten der endogenen Depression

6. Die neurotische Depression

6.1. Grundsymptome der Neurose

6.1.1. Ambivalenz

6.1.2. Neurotische Angst

6.1.3. Neurotisches Minderwertigkeitsgefühl

6.1.4. Neurotisches Schuldgefühl und die daraus resultierende neurotische             Selbstbestrafungstendenz

6.1.5. Bedürfnis, die neurotische Konfliktsituation durch immer neue Symptome symbolisch darzustellen

6.2. Entstehung der neurotischen Depression

6.2.1. Ungelöste seelische Konflikte

6.2.2. Neurotische Lebensverunstaltung

6.3. Behandlungsmöglichkeiten der neurotischen Depression

7. Die exogene Depression

8. Die Altersdepression

8.1. Behandlungsmöglichkeiten der Altersdepression

9. Präsuizidales Syndrom nach Erwin Ringel

9.1. Einengung

9.1.1. Situative Einengung

9.1.2. Einengung der Wertweld

9.1.3. Dynamische Einengung

9.1.4. Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen

9.2. Aggression

9.3. Selbstmordphantasien

9.4. Übliche Fehler und riskante Interventionen bei Suizidgefahr

9.5. Was Kinder über den Tod wissen

9.6. Einige Fehler, die im Umgang mit depressiven Menschen häufig begangen werden

10. Behandlungsmöglichkeiten der Depression

10.1. Medikamente

10.1.1. Antidepressiva

10.1.2. Neuroleptika

10.1.3. Tranquilizer

10.2. Psychotherapien

10.2.1. Allgemeines

10.2.2. Kognitive Therapie (nach Beck)

10.2.3. Verhaltenstherapie (nach Kanfer)

10.2.4. Familientherapie

10.2.5. Psychodrama

10.2.6. Spieltherapie


11. Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Trotz Wohlstand, Berufskarriere und geordneten Lebensverhältnissen sehen manche Menschen ihr Leben als eine einzige Last an. Die eigene Person, die ganze Welt und Zukunftsperspektiven werden negativ eingeschätzt, vom Leben wird nichts Positives mehr erwartet.

Die Depression ist eine Erkrankung, die in unserer Zeit immer häufiger auftritt.  

Jeder zweite Mensch hat mindestens einmal im Leben eine Depression gehabt und immer mehr Menschen erkranken daran.

Leider ist diese Krankheit allem Anschein nach im Zunehmen begriffen.

Die verschiedenen Formen der Depression haben unterschiedliche Ursachen und sind daher unterschiedlich zu behandeln. Es wurden verschiedenste Therapien zur Behandlung der Depressionen entwickelt

2. DEFINITION   

Def: lat., "Niederdrückung", in der Psychologie und Psychopathologie Stimmung der Niedergedrücktheit, die entweder bloß affektiv oder konstitutionell und als solche von charakterologischer Bedeutung ist. Psychiater unterscheiden sekundäre (motivierte) und primäre (unmotivierte) Depression.

( Das moderne Lexikon. Verlagsgruppe Bertelsmann, Gütersloh 1979, S.260)

Das Wort "Depression" leitet sich von "deprimere" ab. Übersetzt bedeutet es herab- oder niederdrücken, aber auch "in die Tiefe gehen", "nach etwas graben".

2.1. Abgrenzung der Depression von der Trauer und der Melancholie

Der Begriff Depression wird in der heutigen Zeit sehr häufig verwendet, was dazu führt, daß alle möglichen Reaktionen auf Schwierigkeiten, Krisen oder Verlusterlebnisse als "Depressionen" bezeichnet werden. 

Ein depressiver Mensch kann sich jedoch über nichts mehr freuen, er hat sein Vertrauen in sich und seine Mitmenschen verloren und ist nicht mehr fähig, Entschlüsse zu fassen. Ein trauriger oder melancholischer Mensch ist zu all dem aber noch imstande.

* Trauer

Der Begriff Trauer wird dann verwendet, wenn ein Verlusterlebnis vorausgesetzt werden kann.

Dieses kann sich ausdrücken durch den Tod einer nahestehenden Person, durch Trennung eines geliebten Menschen, aber auch bei Verlust des Arbeitsplatzes e

Auf solche Situationen reagieren Menschen mit Trauer, die in einem Erschöpfungszustand endet. Oft wirkt sich dieser Erschöpfungszustand auch körperlich aus, zum Beispiel in Schlafstörungen, Eßstörungen

Zum Unterschied zur Depression sieht der Trauernde bald wieder Hoffnung, er steckt sich neue Ziele und kann den Verlust verarbeiten.

Der depressiv Kranke findet im Gegensatz kein neues Ziel mehr, auf das er hinarbeiten könnte.

* Melancholie

Melancholie wird eher als ein Persönlichkeitsmerkmal angesehen. Zurückgezogene, traurige Menschen, die oft als sehr ruhig und nachdenklich bezeichnet werden, bezeichnet man als melancholisch.



3. VERTEILUNG DEPRESSIVER MENSCHEN: MANNER - FRAUEN

Frauen erkranken circa doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, was verschiedenste Ursachen haben kann.

Man nimmt an, daß vor allem hormonelle Störungen die höhere Depressionsrate von Frauen erklären können, da sie starken Hormonschwankungen ausgesetzt sind. Diese können ihre psychische Verfassung beeinflussen, müssen es aber nicht.


Zum Beispiel:

3.1. Depressionen nach der Geburt eines Kindes

Unmittelbar nach der Geburt eines Kindes verfallen viele Mütter in Depressionen, d.h. sie fühlen sich müde, schlapp und haben an nichts Interesse, auch nicht an ihrem eigenen Baby. Diese Frauen entwickeln deshalb Schuldgefühle, da sie ihr Kind doch eigentlich lieben sollten. Dadurch verschlechtert sich ihre Stimmung noch mehr. Nach einigen Tagen bis Wochen verschwindet diese Depression jedoch wieder.

Erklärt wird dieses Phänomen anhand der enormen Hormonumstellung, die nach der Geburt eines Kindes stattfindet.

(vgl. Nuber, U.: Die verkannte Krankheit Depression. Kreuz-Verlag, Zürich 1991. S. 29 - 39.)

4. VERSCHIEDENE ARTEN DER DEPRESSION

4.1. Anaklitische Depression                          

Die anaklitische Depression wird auch Säuglingsdepression benannt.

Verliert ein Säugling seine Bezugsperson, ohne eine adäquate Bezugsperson zu finden, so reagiert er mit starken emotionalen Veränderungen: er weint sehr viel, ist unruhig, hat Eß- und Schlafstörungen, bis er völlig apathisch wird.


4.2. Schuldepression

Die Schuldepression ist eine reaktive Depression.

Von einer Schuldepression spricht man dann, wenn sich das Kind in der Schule nicht wohl fühlt, sehr häufig traurig und niedergeschlagen ist. Oft sind diese Kinder in der Schule überfordert oder werden vom Klassenlehrer abgelehnt.

Sobald jedoch die Ferien beginnen, sind die Kinder fröhlich und ausgelassen.

4.3. Larvierte Depression

Die larvierte Depression kann bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten.

Sie ist sehr schwer zu erkennen, deshalb wird sie auch "maskierte Depression" genannt.

Kinder drücken ihre negative Stimmung vor allem somatisch aus, das heißt sie haben ständig körperliche Beschwerden, deren Ursachen aber nicht auffindbar sind.

4.4. Verlängerte Trauerreaktion             

Fallbeispiel: Annemarie, 41 Jahre alt, ist Mutter von drei Töchtern und glücklich verheiratet. Vor zwei Jahren verunglückte ihr Sohn im Alter von 18 Jahren bei einem Motorradunfall. Die ganze Familie trauerte um ihn, doch Annemarie konnte mit der Trauer nicht aufhören. Da sie diesen Zustand nicht mehr ertragen kann, entschließt sie sich, in eine Behandlung zu gehen.

In der Therapie kam zum Vorschein, daß Annemarie in einer unglücklichen Ehe aufgewachsen ist. Ihre Eltern gaben ihr nicht die Fürsorge und Liebe, die sie sich wünschte.

In der Psychoanalyse erkannte sie, daß mit ihrem Sohn die Nähe suchte, die sie bei ihren Eltern vermißte. Nachdem ihr Sohn jedoch starb, wiederholte sie unbewußt die Situation ihrer Kindheit.

Während der Behandlung konnte Annemarie schließlich Trauerarbeit bewußt nachholen, wodurch sie den Verlust ihres Sohnes endlich akzeptieren lernte.

(vgl. Huth, W. / Huth, A.: Sprechstunde Depressionen. Gräfe & Unzer, München 1990. S. 14 - 16.)

4.5. Somatogene depressive Störung

Rund 10 % aller Depressionen sind somatogener Natur.

Die Depression kann in diesem Fall als Sekundärsymptom zu anderen Störungen wie zum Beispiel bei: Epilepsie

Hirntrauma

Stoffwechselkrankheiten

Störung bei Nierenfunktionen auftreten.


5. ENDOGENE DEPRESSION

5.1 Allgemeines           

Die endogene Depression ist eine chronische Depression.

Man nimmt an, daß die Disposition für diese Krankheit vererbbar ist.

Die endogene Depression, auch Melancholie genannt, geht auf eine Stoffwechselstörung zurück, die eine Verzögerung der Impulsübertragung im Nervensystem und damit eine Blockierung des vegetativen Nervensystems zur Folge hat.


Dies wird auch schon im Begriff "endogen" angedeutet, der wörtlich übersetzt "aus dem Inneren"  bedeutet.

Endogene Depressionen sind die Folge von unbekannten internen Prozessen, sie werden durch keine äußeren Ereignisse gesteuert.

Es wird angenommen, daß die Disposition für Depressionen vererbbar ist.

Ungefähr 20% aller Depressiven leiden unter endogenen Depressionen.

Endogene Depressionen folgen einem zyklischen Verlauf und können in zwei Variationen ablaufen: bipolar oder unipolar.

5.1.1. Bipolare Depressionen

Bipolare Depressionen werden manisch-depressive Störungen genannt. Das bedeutet, daß der Patient regelmäßig wiederkehrende Phasen durchläuft: Verzweiflung, neutrale Stimmung und einen Zustand von Überaktivität, der als Manie bezeichnet wird. Dann sinkt der Kranke wieder durch die neutrale Stimmung in Verzweiflung.

Die Depression muß aber nicht immer mit Manie auftreten: heute weiß man, daß die Depression gelegentlich ohne Manie auftreten kann und umgekehrt Manie ohne Depression auftritt.

Bei bipolaren Depressionen spricht man von einem morgendlichen Pessimum, das bedeutet, daß die Krankheit am Morgen am stärksten ausgeprägt ist.



5.1.2. Unipolare Depressionen


Unipolare Depressionen äußern sich darin, daß ein regelmäßiger Wechsel zwischen Niedergeschlagenheit und neutraler Stimmung ohne manische Phasen stattfindet.

Diese Form der Depression ist häufiger anzutreffen, ca. 75% aller Depressiven leiden an unipolaren Depressionen.

5.2. Symptome endogener Depressionen


Der endogen Depressive wird nicht als geisteskranker, sondern als gemütskranker Mensch beschrieben. Das bedeutet, daß er die Fähigkeit besitzt, seine Krankheit so gut es geht zu verbergen - zu dissimulieren.

Die endogene Depression unterscheidet sich von allen anderen Depressionen auch dadurch, daß sie deutliche körperliche Symptome aufweist.

Diese Form der Depression erkennt man an folgenden Merkmalen:

* traurige Verstimmung mit Beharrungstendenzen

* psychische und körperliche Hemmung

* absoluter Pessimismus

* Selbstvorwürfe

* Angst

* hypochondrische Ideen

* körperliche Symptome

* intensive Selbstmordtendenzen

5.2.1. Beharrungstendenz

Bei der Beharrungstendenz handelt es sich um einen Zustand der "anhaltenden Traurigkeit".

Die endogene Depression verläuft in einzelnen Phasen, das bedeutet, daß die Depression langsam oder plötzlich einsetzt und eine Dauer von wenigen Wochen bis zu einigen Jahren aufweist.

Nach Abklingen der Phase tritt eine völlige Genesung ein. Es ist aber zu bedenken, daß später neuerliche Phasen auftreten können.

Bei endogenen Depressionen ist auch ein charakteristischer Tagesablauf festzustellen: am Morgen nach dem Aufstehen ist der Zustand am schlechtesten (morgendliches Pessimum), fast schon unerträglich, während er sich am Nachmittag ein wenig bessert.

Am Abend fühlen sich die Patienten oft am besten.

Ein weiteres Merkmal bei der Beharrungstendenz ist der sogenannte "Grübelzwang", der sich im Beharren auf traurige Gedanken äußert.

Der endogen Depressive hört auf, seine Umwelt zu betrachten - dieser Zustand wird auch Hypovigilität genannt.

Weiters ist seine ganze Aufmerksamkeit auf das Innere gerichtet, das er als negativ erlebt und von dem er nicht loskommt - dieser Zustand wird Hypertenazität genannt.

Es ist leider kaum möglich, den endogen Depressiven von sich selbst abzulenken.

5.2.2. Psychische und körperliche Hemmung

Die Bewegungen des Patienten verlangsamen sich und seine Muskulatur ist oft erstarrt. Der Gesichtsausdruck wirkt mit der Zeit "eingefroren".

Auch im psychischen Bereich geht eine Verlangsamung vor sich: Die Sprache wirkt gehemmt und verzögert. Assoziationen können fast nicht mehr geschlossen werden, wodurch auch bald jede Form von Kreativität unmöglich erscheint.

Aus diesem Grund sind viele endogen Depressive der Meinung, sie wären "verblödet" und geistig geschwächt.

Diesen Zustand kann man sehr gut mit dem Begriff Antriebslosigkeit oder auch  Adynamie definieren. Der endogen Depressive muß sich zu jeder Tätigkeit zwingen, was ihm große Mühe und Anstrengungen bereitet.

5.2.3. Absoluter Pessimismus

Der Kranke kann keine positiven Gedanken mehr fassen, er sieht alles negativ besetzt. Ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit dominiert.

Man spricht auch von einem depressiven Verarmungsgefühl, z.B. sind Millionäre in dieser Phase davon überzeugt, daß sie all ihr Geld verloren haben.

Endogen Depressive sind nicht mehr in der Lage, positive Meldungen zu glauben. Auch wenn ein Patient mehrere solcher Phasen hatte, die alle vorübergingen, so ist er nicht imstande zu glauben, daß auch diese Phase vorübergehen wird.

Trotzdem sollte man immer wieder versuchen, dem Patienten Hoffnung zu geben (auch wenn er sie nicht annehmen kann).


5.2.4. Selbstvorwürfe

Der endogen Depressive hat jedes Selbstwertgefühl verloren, er hat keine Achtung mehr vor sich selbst und ist der Meinung, er wäre unfähig. Er traut sich nicht mehr zu, etwas in die Hand zu nehmen, da er davon überzeugt ist, seinen Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Er sucht für alles mögliche die Schuld bei sich selbst und macht sich in weiterer Folge starke Vorwürfe.

Der endogen Depressive erlebt seine Depression nicht als Krankheit, sondern als Bestätigung seiner Unfähigkeit.

Resultierend aus diesem verlorengegangenen Selbstwertgefühl ist der Patient unfähig, irgendeinen Entschluß zu fassen. In diesem Zustand sollte man daher vermeiden, den Depressiven vor Entscheidungen zu stellen.

5.2.5. Angst

In jedem endogen Depressiven ist starkes und sehr gefährliches irrationales (d.h.vom Gemütszustand abgeleitetes) Angstpotential enthalten.

Man unterscheidet hier zwei Typen:

- Melancholia agitata:

Angst und daraus entstehende Ruhelosigkeit stehen im Vordergrund.

- Melancholia passiva:

Die Hemmung dominiert so, daß man die Angst nicht merkt.

Durch plötzlich ausbrechende Angstanfälle, die Raptus genannt werden, ist ersichtlich, daß die Angst aber vorhanden ist. Diese Angstanfälle können auch zu blitzschnellen Selbstmordhandlungen führen.

5.2.6. Hypochondrische Ideen

Diese hypochondrischen Ideen werden durch starken Pessimismus und durch Schuldgefühle erzeugt.

Der Kranke wird in seinem Gefühl der Auswegslosigkeit bestätigt. Unbewußt bestraft er sich selbst für sein vermeintliches Versagen.

Der Kranke wird somit in seiner Depression zusätzlich bestärkt.

Solche hypochondrische Ideen sind nur dadurch zu beseitigen, indem die endogene Depression erfolgreich behandelt wird und abklingt.

Sehr oft stellen sich endogen Depressive vor, an Krebs zu erkranken. In diesem Stadium ist der Kranke sehr gefährdet, Selbstmord zu verüben.


5.2.7. Körperliche Symptome


Die körperlichen Symptome werden durch Stoffwechselstörungen hervorgerufen.

Am häufigsten sind hier Schlafstörungen zu nennen.

Die Patienten können häufig sehr rasch einschlafen, wachen aber ungewöhnlich früh auf - ca. um 3 Uhr, 4 Uhr oder 5 Uhr.

Um diese Zeit findet auch der "Höhepunkt" der endogenen Depression statt: der Patient hat Angstvorstellungen, Grübelzwang, pessimistische Einstellungen und Selbstmordvorstellungen; weitere Symptome sind Mundtrockenheit, Reduzierung der Tränenproduktion, Appetitlosigkeit, Verstopfung.

Sehr oft wird von sehr unangenehmen Träumen mit ängstlich-depressivem Inhalt erzählt - dies beweist, daß die Depression auch im Unbewußten verankert ist.


5.2.8. Intensive Selbstmordtendenz

Durch das Zusammenwirken all dieser verschiedenen Symptome ist es leicht verständlich, wenn man die endogene Depression als die selbstmordgefährlichste Erkrankung beschreibt.

Fast ein Drittel aller Suizide werden von endogen Depressiven durchgeführt.

In den Ausführungen wurde das Bild einer voll ausgeprägten endogenen Depression beschrieben.

Es gibt heutzutage aber auch eine Reihe von "abgeschwächten" endogenen Depressionen, die weniger deutliche Symptome aufweisen und dadurch schwerer zu erkennen sind.

Diese abgeschwächte Depression - Melancholia Mitis genannt - ist leider nicht mit einer abgeschwächten Selbstmordgefahr verbunden.

Im Gegenteil: bei dieser Form der Depression fällt die Hemmung weg, dadurch ist ein wichtiger Faktor nicht gegeben, der dem Selbstmord im Wege steht.




5.3. Behandlungsmöglichkeit der endogenen Depression

Da es sich bei der endogenen Depression um eine organisch bedingt Depressionsform handelt, wird der Arzt zur Primärbehandlung Medikamente - in diesem Fall Antidepressiva - verschreiben.

Diese bewirken im Ablauf weniger Wochen ein Abklingen der Depressionsphase.

(Vgl. Földy, R. / Ringel, E.: Machen uns die Medien krank? Universitas Verlag, München 1993. S. 127 - 137)


6. NEUROTISCHE DEPRESSION

Die neurotische Depression verläuft - anders als die endogene Depression - nicht in Phasen, sondern ist ein chronischer Prozeß.

Auch der Tagesablauf eines neurotisch Depressiven ist völlig anders als der eines endogen Depressiven:

Der neurotisch Depressive fühlt sich oft am Morgen am besten, sein Zustand wird dann aber im Verlauf des Tages immer schlechter.

Bei dieser Art der Depression findet man auch keinen absoluten Pessimismus, keinen Grübelzwang, keine andauernde Selbstvorwürfe und fast keine hypochondrischen Ideen.

Die neurotische Depression zeigt keine körperlichen Symptome, da sie auf keine Stoffwechselstörung im Körper zurückgeht.

Betroffene klagen jedoch manchmal über Schlafstörungen, die aber psychologisch, nicht organisch zu begründen sind. Man spricht hier vom "Etappenschlaf", d.h. die Menschen schlafen sehr unruhig und wachen öfters auf.

6.1. Grundsymptome der Neurose

Die Neurose ist grundsätzlich ein Konflikt zwischen bewußten und unbewußten Trieben, die in unserem Inneren stattfinden.

Durch Verdrängung des Triebwünsches wird der Konflikt scheinbar gelöst. Diese Verdrängung hat aber ein unbewußt bleibendes Schuldgefühl zur Folge, welches die Tendenz zur Selbstschädigung und Eigenbehinderung in sich trägt.

Man unterscheidet verschiedene Symptome, durch die diese Krankheit gekennzeichnet ist:

6.1.1. Ambivalenz               

Man spricht von Ambivalenz, wenn man einer Person gegenüber unterschiedliche Gefühle, z.B Haß und Liebe, verspürt.  Die negativen Gefühle werden aber im Unbewußten gehalten, das bedeutet, daß man sich der starken Ablehnung nicht bewußt ist.

6.1.2. Neurotische Angst


Wenn die verdrängten unbewußten Tendenzen sich langsam in das Bewußtsein vorschieben, so wird dieser Vorgang als enorm beunruhigend erlebt. Daraus resulitiert eine irrationale - d.h. sie hat nichts mit dem Verstand zu tun, sondern wird durch verdrängte Gefühle ausgelöst - neurotische Angst.

6.1.3. Neurotisches Minderwertigkeitsgefühl


Menschen, die sich von anderen als nicht geliebt fühlen, sind nicht mehr imstande, eine gute, natürliche, gesunde Beziehung zum eigenen Ich aufzubauen.

So kommt es zu einer Verunsicherung des eigenen Ichs, man fühlt sich minderwertig und benötigt die Hilfe der Mitmenschen, um das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.

Dieses Minderwertigkeitsgefühl kann in ein Gefühl der Sinnlosigkeit der eigenen Existenz münden.



6.1.4. Neurotisches Schuldgefühl und die daraus resultierende neurotische Selbstbestrafungstendenz


Wenn z.B. ein Kind seinen Eltern gegenüber Haßgefühle entwickelt, diese aber im Vorbewußten hält, so können starke Schuldgefühle entstehen, die sich gegen die eigene Person richten. Auf Grund dieser unbewußten Schuldgefühle entwickelt sich die unbewußte Selbstbestrafungstendenz.



6.1.5. Bedürfnis, die neurotische Konfliktsituation durch immer neue Symptome symbolisch darzustellen


Indem unbewußte Triebe verdrängt werden, kommt es zu einer "Scheinlösung", da die verbotenen Triebwünsche nicht ausgelebt werden können. In neurotischen Symptomen werden diese Triebe symbolisch zum Ausdruck gebracht.

Neurotische Proteste äußern sich vor allem in:


psychosomatischen Erkrankungen

allen Formen der Sucht

Eßgewohnheiten

Kriminalität

Spielleidenschaft

Provokation von Unfällen

Kriegsbereitschaft

6.2. Entstehung der neurotischen Depression

Die neurotische Depression geht nicht auf eine Stoffwechselstörung zurück.

Neurotische Depressionen können aus einer Vielzahl von Gründen entstehen. Grundsätzlich nimmt man aber zwei Wege an, die zu einer solchen Depression führen können:

* ungelöste seelische Konflikte

* chronische neurotische Lebensverunstaltung

6.2.1 Ungelöste seelische Konflikte

Schlummern in einem Menschen bewußte und unbewußte Wünsche oder Triebe, die einander widersprechen, so führt dies zu Konflikten, die zunächst nicht lösbar sind.

Je länger nun dieser Konflikt erlebt wird, desto intensiver und somit depressiver wird er. Der Betroffene ist sich der wahren Ursache seiner Depression nicht bewußt und kann dadurch auch nichts dazu beitragen, um seinen Zustand zu verbessern.

Leider sehen daher viele Depressive als einzigen Ausweg aus diesem Teufelskreis den Selbstmord.

6.2.2. Neurotische Lebensverunstaltung

Die neurotische Depression wird als Konsequenz einer über lange Zeit andauernden neurotischen Lebensverunstaltung gesehen, die sich durch schwere Neurotisierung in der Kindheit ausgezeichnet hat.


Die neurotische Lebensverunstaltung drückt sich in drei Stadien aus:

a) Verkümmerung und Verlust der expansiven Kräfte

Die Menschen verlieren ihr Vertrauen zu sich selbst, anderen gegenüber etc. So werden sie immer mehr entmutigt, bis sie sich selbst nichts mehr zutrauen und nichts mehr anstreben.

b) Stagnation

Der Betroffene ist auf starre, gleichbleibende Verhaltensmuster fixiert, er entdeckt somit nichts Neues mehr, ist nicht mehr lernfähig und hat das Gefühl, daß ihm alles mißlingt. Dadurch kommt ein Gefühl der Ausweglosigkeit zutage, welches wiederum leicht zum Suizid führen kann.

c) Regression

In diesem Stadium ist der Depressive nicht mehr fähig, aktiv tätig zu werden, er leistet keinen Beitrag mehr zur Gestaltung des Lebens in der Gemeinschaft.

Gleichzeitig aber ist der Betroffene äußerst abhängig von seiner Umwelt, er möchte geliebt werden, ist aber nicht mehr fähig, selbst zu lieben. In weiterer Folge fühlt sich der Kranke von seiner Umwelt nicht verstanden und alleine gelassen, was wiederum dazu führt, daß er sich mehr in sich zurückzieht, sich weiter von den Mitmenschen entfernt und immer isolierter wird.


6.3. Behandlungsmöglichkeit der neurotischen Depression

Bei neurotischen Depressionen wird die Psychotherapie angewendet, da diese Depressionsform auf einem seelischen Konflikt zwischen unbewußten und bewußten Trieben basiert.

(Vgl. Földy, R. / Ringel, E.: Machen uns die Medien krank? Universitas Verlag, München 1993. S. 23 - 75)



7. EXOGENE DEPRESSIONEN

Unter exogenen Depressionen versteht man alle Verstimmungszustände, die durch äußere Faktoren zustandekommen.

Außere Faktoren sind z.B.: Schicksalsschläge

Unglücksfälle etc.

Es herrscht also eine belastende Situation vor, die der Betroffene aktiv durch seinen persönlichen Beitrag bewältigen muß.

Im Normalfall klingt diese Form der Depression mit der Zeit ab.

Dauert eine exogene Depression länger als ein paar Monate an, so handelt es sich wahrscheinlich bereits um eine neurotische Depression.

Die exogene Depression zeichnet sich durch eine Vielfalt von Symptomen aus (z.b. Gereiztheit, Müdigkeit, Erschöpfung, verringerte Konzentrationsfähigkeit, Gespanntheit), jedoch ist der Betroffene von diesen Symptomen leicht ablenkbar.

Exogene Depressionen bringen oft Nebenerscheinungen wie Herzklopfen, innere Unruhe und Angst, Magen-Darm-Beschwerden etc mit sich, die auf Irritationen des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sind.

Die exogene Depression wird als harmloseste aller Depressionsformen angesehen, trotzdem darf sie nicht unterschätzt werden.

8. ALTERSDEPRESSION

Durch das Altern wird der Mensch vor ein schwieriges Problem gestellt. Wenn die Altersadaption nun mißglückt, wird man in eine depressive Verarbeitung gedrängt.

Im Alter erlebt der Mensch, daß ständig bestimmte Körperfunktionen nachlassen, er erlebt Funktionsverluste, hat Schmerzen und Krankheiten. All dies kann leicht zu einer hypochondrischen Grundhaltung führen, da der alternde Mensch ständig damit konfrontiert ist, daß ein erneuter Funktionsverlust eintreten könnte.

Alte Menschen fühlen sich weiters oft entwertet, ihrer Würde beraubt, da sie in unserer Zeit oft degradiert und nicht mehr wichtig genommen werden. Daraus entwickelt sich ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und der Nutzlosigkeit, das in Verbindung mit der Depression auftritt.

Alte Menschen verlieren weiters  zunehmend den Kontakt zu ihren Mitmenschen (z.B. durch Tod von Freunden), wodurch sie sich immer einsamer und isolierter fühlen.


8.1. Behandlungsmöglichkeit der Altersdepression

Da bei der Altersdepression hauptsächlich die Symptome der endogenen Depression vorhanden sind, wird eine medikamentöse Behandlung angewendet. Eine Besserung der Situation ist aber nur dann zu erwarten, wenn der Patient lernt, mit der Tatsache des Alterns umzugehen. Der Arzt muß also alle Faktoren, die für eine gelungene Altersadaption wichtig sind, berücksichtigen.


9. PRASUIZIDALES SYNDROM nach Erwin Ringel

Das präsuizidale Syndrom besteht aus drei Symptomen:

9.1. EINENGUNG

Das Symptom der Einengung kann man in 4 Formen unterteilen:

9.1.1. Situative Einengung

Das Vorstadium zur situativen Einengung ist die situative Not, die als Folge verschiedener Faktoren auftreten kann.

Gründe dafür können sein:

* Erleben eines Schicksalschlages

* geringfügige psychische Traumen

* systematische Herbeiführung durch eigenes Verhalten

* der Betroffene glaubt, situative Hoffnungslosigkeit in Situationen zu entdecken, die aber in Wirklichkeit gar nicht besteht

Durch die Reaktion des Menschen auf diese situative Not kann sich die situative Einengung ergeben.

Der Patient befindet sich im Zustand der situativen Einengung in einer Situation, der er sich hilflos ausgeliefert fühlt. Diese Situation wird als erdrückend und überwältigend angesehen.

Der Betroffene fühlt sich immer mehr von allen Seiten eingedrängt, er hat das Gefühl, auf nichts mehr Einfluß nehmen zu können und fühlt sich in weiterer Folge allen weiteren Situationen hilflos ausgeliefert.

Wie kann man nun das Auftreten der situativen Einengung verhindern?

Der Betroffene muß lernen, die situative Not positiv zu verarbeiten. Um das zu erreichen, muß als erstes das Selbstvertrauen des Kranken gestärkt werden. Er erkennt, daß er selbst aktiv werden muß, um sein Leben gestalten zu können.

Wichtig dabei ist aber, daß sich der Betroffene nicht alleine gelassen fühlt, er muß Hilfe und Unterstützung durch seine Mitmenschen erleben können.

9.1.2. Einengung der Wertwelt

Hiebei handelt es sich um eine Reduktion des Selbstwertgefühls und um Reduktion der persönlichen Wertbezogenheit.

Der Betroffene hat das Gefühl, wertlos und unwichtig zu sein, gleichzeitig verliert er jede Beziehung zu Wert- und Interessensgebieten, alles ist ihm gleichgültig.

9.1.3. Dynamische Einengung

Die Gefühle des Depressiven bewegen sich nur noch in Richtung der Depression, die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, die der Kranke empfindet, wird immer intensiver und unerträglicher.

Die dynamische Einengung findet ihren Höhepunkt im Suizid - der Betroffene wird regelrecht in den Selbstmord getrieben, er sieht keinen anderen Ausweg mehr, als seinem Leben ein Ende zu setzen.

9.1.4. Einengung der zwischenmenschlichen Beziehungen

Oft verfügen die Betroffenen über viele Beziehungen, jedoch fühlen sie sich in ihrem Inneren isoliert und alleine gelassen. Sie haben das Gefühl, keinem vertrauen zu können und fühlen sich unverstanden.

Der Psychologe Martin Seligmann entwickelte die Theorie der "Erlernten Hilflosigkeit".

Sie bringt zum Ausdruck, daß Menschen hilflos reagieren, wenn sie keine Kontrolle über negative Ereignisse ausüben können. Wiederholen sich diese negativen Erfahrungen, so entwickeln die Menschen allmählich ein negatives Selbstbild.

Sie verlieren ihr Selbstvertrauen und beurteilen all ihre Erfahrungen negativ, selbst wenn sie objektiv gesehen positiv sind.

Erfolg wird nicht dem eigenen Können, sondern Glück oder Zufall zugeschrieben. Für alle Taten, die die Person setzt, erwartet sie von vornherein Mißerfolg.



9.2. Aggression

Durch verschiedenste Enttäuschungserlebnisse entwickelt sich Frustration, die oft nach außen nicht entladen werden kann. Im Menschen entsteht dadurch eine ungeheure aggressive Kraft, die immer intensiver wird, bis es schließlich zur Umkehr der Aggression gegen die eigene Person kommt.

Meist ist mit dieser Aggressionsumkehr auch die Absicht verbunden, an der nächsten Umgebung Rache zu nehmen. Im Selbstmord wird diese Aggression schließlich ausgedrückt, und damit auch oft die Rache an die Umwelt.


9.3. Selbstmordphantasien

Wenn die Realität immer unerträglicher wird, so passiert es leicht, daß man in eine Phantasiewelt flieht. Diese Flucht führt aber dazu, daß die Diskrepanz zwischen Phantasie und Wirklichkeit immer größer wird und bald nicht mehr zu bewältigen ist. Schließlich machen sich die Phantasien selbständig und sind nicht mehr zu kontrollieren. Gedanken, die zuerst erlösend und befreiend wirkten, werden nun zur Bedrohung.

Selbstmordphantasien verlaufen immer in drei Stadien:

1) Zu Beginn stellt sich der Betroffene nur vor, tot zu sein.

2) Bald aber kreisen sich seine Gedanken immer mehr darum, wirklich Selbstmord zu begehen. Dieser Gedanke wird nun aber immer konkreter und zwanghafter, die Person kann sich von dieser Vorstellung nicht mehr lösen.

3) Schließlich überlegt der Betroffende, wie er den Suizid tatsächlich durchführen kann.

Suizidgefährdete versuchen jedoch meist, die Umwelt auf ihre Situation aufmerksam zu machen, indem sie von ihren Selbstmordabsichten sprechen. Diese Hilferufe werden aber leider nur zu oft nicht wahrgenommen und überhört, da sie häufig verschlüsselt ausgedrückt werden.

In vielen Fällen hätte man den Suizid durch aufmerksames Zuhören und Eingehen auf den Betroffenen verhindern können.

Ist ein Selbstmordversuch mißlungen, so ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, daß der Suizidversuch ein zweites Mal unternommen wird.

Jeder, der von Suizid spricht, ist selbstmordgefährdet!

Der Suizid wird von vielen Depressiven als letzter Ausweg aus ihrer unerträglichen Situation gesehen, da sie keinen neuen Lebensmut schöpfen können.


(Vgl. Földy, R. / Ringel, E.: Machen uns die Medien krank? Universitas Verlag, München 1993. S. 117 - 125.)




9.4. Übliche Fehler und riskante Interventionen bei Suizidgefahr


* Latente suizidale Reaktionen übersehen

* Bagatellisierungen akzeptieren

* Zu schnelle Orientierung auf positive Veränderungen

* Abgenützte Beschwörungsformeln

* Provokationen

* Gründe für ein Weiterleben aufzählen

* Drohungen

* Das Problem Suizid aus den Augen verlieren

* Medikation

* Unangemessene Therapieziele

(vgl. Dorrmann, W.: Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten. Pfeiffer-V, München 1991. S. 130 - 134.)

9.5. Was Kinder über den Tod wissen

Kinder denken über Leben und Tod in einer ganz anderen Art und Weise als Erwachsene.

Sie machen keinen Unterschied zwischen Lebewesen und Dingen und sind der Meinung, daß alles lebendig ist.

Kinder bis zu drei Jahren können sich unter dem Begriff "Tod" noch nichts vorstellen, sie spüren jedoch, daß ihm eine große Bedeutung zukommt.

Im Alter von ca. fünf Jahren verbinden sie "Tod" mit Trauer und Leid, sie kennen seine physischen Aspekte, betrachten diesen Zustand aber sehr sachlich, nicht emotional.

Mit ca. 7 Jahren entwickelt sich ein reiferes Todesverständnis, die Kinder reagieren emotional auf "Tod" und sind sich über die Endgültigkeit dieses Zustandes im Klaren. Jedoch sind sie der Meinung, selber nie sterben zu müssen. 

Allmählich beginnen sich die Kinder zu interessieren, was nach dem Tod passiert und sie verlieren ihre Angst davor.

Mit ca. 12 Jahren haben die Kinder ein klares Verständnis darüber entwickelt, was Tote von Lebenden unterscheidet.

(vgl. Orbach, I.: Kinder, die nicht leben wollen. Sammlung Vandenoeck, Göttingen 1990. S. 99) 

9.6. Einige Fehler, die im Umgang mit depressiven Menschen häufig begangen werden


* Oft werden Depressive aufgefordert, sich "zusammenzureißen".

* Es wird versucht, dem Kranken seine depressiven Ideen auszureden.

* Dem Patienten wird eingeredet, daß es ihm gut geht.

10. BEHANDLUNGSMÖGLICHKEITEN  der DEPRESSION

10.1. MEDIKAMENTE



10.1.1. Antidepressiva


Die Wirkung oder Nichtwirkung von Antidepressiva tritt erst nach einem Zeitraum von ungefähr 14 Tagen ein. Daher ist es sehr wichtig, daß der Kranke möglichst rasch das Mittel bekommt, welches in seinem Fall wirksam ist.

Durch Antidepressiva kommt es zu einer stufenweisen Besserung, bis schließlich die Heilung eintritt. Der Patient muß diese Tatsache wissen, damit er seine Hoffnung während der der Behandlung nicht aufgibt.

Die Behandlung mit Antidepressiva wird so lange fortgesetzt, bis alle Symptome der Depression verschwunden sind. Die Medikamente dürfen danach nicht sofort abgesetzt werden, sondern es erfolgt eine langsame Reduktion.

Die antidepressive Medikation kann jedoch die seelischen Ursachen der Depressionen nicht auflösen. Daher ist es immer ratsam, zusätzlich eine psychotherapeutische Therapie anzuwenden.


10.1.2. Neuroleptika


Neuroleptika werden vor allem bei endogen Depressiven eingesetzt, die über starke innere Unruhe klagen.

Die Wirkung dieser Medikamente ist stimmungsaufhellend, haben manchmal aber auch einen dämpfenden Effekt.

10.1.3. Tranquilizer

Diese Medikamente wirken angstlösend und muskelentspannend.

Einige Tranquilizer besitzen auch eine schlaffördernden Effekt.

Achtung: Tranquilizer machen sehr rasch abhängig!



10.2. PSYCHOTHERAPIEN

10.2.1. Allgemeines

Bei der psychotherapeutischen Behandlung muß man besonders auf vier Faktoren achten:

1.) Bedeutung der Bindung an den Therapeuten

Für den Patienten ist es äußerst wichtig, eine gute Beziehung mit seinem Therapeuten zu haben, da diese den erste Schritt ist aus der präsuizidalen Eingengung darstellt.

2.) Abreaktion der Aggression

In den psychotherapeutischen Sitzungen soll der Patient die Möglichkeit haben, seine Aggressionen zu verbalisieren und dadurch gleichzeitig zu entladen. Allmählich werden dem Depressiven dann die Ursachen für seine Aggressionen bewußt, was die Gefahr der Aggressionsumkehr gegen die eigene Person vermindert. 

3.) Ermutigung zu Erfolgserlebnissen

Der Patient soll zu positiven Erfolgserlebnissen geführt werden. Für diesen Zweck wird er vor lösbare Aufgaben gestellt, die er bewältigen soll. Dadurch wird sein Selbstvertrauen gestärkt, er gewinnt Zuversicht und wird zunehmend aufgeschlossener.

4.) Anregung der Phantasie in positive Richtungen

Der Patient beschäftigt sich mit positiven zukünftigen Möglichkeiten und wird in diesem Stadium vom Therapeuten angeregt, sich mit möglichst vielen Details der weiteren Lebensgestaltung zu beschäftigen.

Ziel der Behandlung ist positive Lebensgestaltung des Patienten, in der er seine persönliche Entfaltung voll verwirklichen kann.

10.2.2. Kognitive Therapie (nach Beck)

Der amerikanische Psychiater Aaron Beck nimmt an, daß Gefühle und Verhalten eines Menschen von der Art seiner Ideen und Gedanken bestimmt wird. Depressive Menschen schätzen ihre Erlebnisse grundsätzlich negativ ein; die Hauptursache für Depressionen sind laut Beck daher fehlerhafte Gedankengänge. 

Durch die Kognitive Therapie soll der Betroffene diese Denkstrukturen erkennen, dann überprüfen und schließlich korrigieren.

Die Kognitive Therapie dauert in der Regel 12 Wochen und gilt als sehr erfolgreich.

Meistens wird diese Therapie kombiniert mit der:

10.2.3. Verhaltenstherapie (nach Kanfer)

Gemeinsam mit dem Patienten wird ein Tagesplan erstellt, aus dem mit der Zeit ein Wochenplan entsteht.

Der Patient schreibt auf diesen Plan genau auf, was er während des Tages gemacht hat und wie seine Gefühle dabei waren.

Der Kranke soll dadurch den Zusammenhang zwischen seinen Taten und seinen Gefühlen erkennen.

Wichtig dabei ist, daß der Patient erkennt, daß er für sein Handeln selbst verantwortlich ist.

10.2.4. Familientherapie

Durch die Familientherapie soll die Familie erkennen, wie sie dem Depressiven helfen können, seine unbewußten Konflikte zu bewältigen.

Unbewußte Einstellungen und Wünsche der Familienmitglieder werden bewußt gemacht, indem der Therapeut mit den betreffenden Personen in unterschiedlichen Gruppen und Konstellationen arbeitet.

(vgl. Kraiker, Ch. / Burkhard, P.: Psychotherapieführer. Beck, München 1983.

S. 254.)


10.2.5. Psychodrama

Das Psychodrama geht auf J.L. Moreno zurück, der diese Therapieform aus spontanen Rollenspielen von Kindern abgeleitet hat.

Es wird als Gruppentherapie, aber auch als Einzeltherapie angewandt.

Üblicherweise beinhaltet eine Psychodramagruppe acht bis zwölf Teilnehmer, den Leiter und einen Co-Therapeuten.

Das Wesen des Psychodramas besteht darin, daß Konflikte und Problemsituationen mit Hilfe des Therapeuten und der anderen Gruppenteilnehmer in Handlungen umgesetzt werden, durchgespielt und anschließend besprochen werden.

Das Psychodrama verläuft in drei Phasen:

1) Erwärmungsphase

Dauer: 30 - 45 Minuten

Die Gruppenmitglieder sollen Erwartungsängste abbauen und sich gegenseitig kennenlernen. Dabei wird das Konflikt- und Erlebnismaterial gesammelt, welches später als Grundlage für das Rollenspiel verwendet wird.

Der Psychodramaleiter wendet dazu bestimmte Techniken an:

"Blitzlicht": Jeder Gruppenteilnehmer teilt den anderen mit, was er gerade im Moment fühlt, wahrnimmt und tun möchte.

"Identifikation mit einem Teil": Die Gruppenteilnehmer sollen sich in einen Gegenstand, Körperteil oder in ein Kleidungsstück hineinversetzen und in der Ich-Form sagen, was ihnen spontan zu diesem Gegenstand einfällt.

"Indirekte Vorstellung": Die Gruppenteilnehmer gehen in Paaren zusammen und tauschen gegenseitig Informationen über sich selbst aus. Danach stellt der eine den anderen der gesamten Gruppe vor.

2) Spielphase

Dauer: 50 - 90 Minuten

Das gesammelte Konfliktmaterial wird im Rollenspiel aufgearbeitet, dadurch werden emotionale Erfahrungen gewonnen.

Wiederum werden hier verschiedene Psychodramatechniken angewendet.

Einige Beispiele:

"Doppeln": Der Psychodramaleiter oder ein erfahrenes Gruppenmitglied steht hinter dem Protagonisten, fühlt sich in seine Person ein und spricht in der Ich-Form aus, was den Protagonisten gerade bewegen könnte.

"Spiegeln": Ein Gruppenmitglied ahmt den Protagonisten möglichst genau nach, wodurch dieser zur Selbsterkenntnis geführt wird.

Rollentausch": Der Protagonist nimmt in dieser Technik die Rolle eines anderen ein; er denkt, fühlt, spricht und handelt so, wie es diese andere Person tun würde.

3) Integrationsphase

Dauer: 30 - 45 Minuten

Rationale Einsichten werden nach Beendigung der Spielphase durch Techniken des "Sharings" und "Feedbacks" gewonnen.

Im Sharing zeigen die Gruppenteilnehmer ihre gefühlsmäßige Anteilnahme am Protagonistenspiel.

Im Feedback berichten die Gruppenteilnehmer und die Protagonisten über ihre Gefühle, die sie während des Rollenspiels empfunden haben. Wichtig dabei ist, daß das Feedback konkret, klar, korrekt und beschreibend ist.

(vgl. Kraiker, Ch. / Burkhard, P.: Psychotherapieführer. Beck, München 1983.

S. 161.)

10.2.6. Spieltherapie:

Vor allem Kinderbehandlungen werden in Form einer Spieltherapie durchgeführt. Den Kindern werden Spielmaterialien zur Verfügung gestellt, durch die unbewußte Konflikte bewußt gemacht werden können.

11. LITERATURVERZEICHNIS

* Bareiter, K.: Depression, Rückzug aus dem Leben. Aufzeichnungen. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1992.

* Battegay, R.: Depression. Huber, Bern 1985.

* Dorrmann, W.: Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten. Pfeiffer-Verlag, München 1991.

* Huth, W. / Huth, A.: Sprechstunde Depressionen. Gräfe & Unzer, München 1986.

* Kraiker, Ch. / Burkhard, P.: Psychotherapieführer. Beck, München 1983.

* Maurer-Heilborn, U. / Maurer, G.: Nach einem Suizid. Fischer, Frankfurt 1988.

* Nuber, U.: Die verkannte Krankheit Depression. Wissen, behandeln, mit der Krankheit leben. Kreuz Verlag, Zürich 1991.

* Orbach, I.: Kinder, die nicht leben wollen. Sammlung Vandenhoeck, Göttingen 1990.

* Rossmann, P.: Depressionsdiagnostik im Kindesalter. Huber, Bern 1991.

* Ringel, E.: Selbstmordverhütung. Frankfurt 1987.

* Ringel, E.: Die ersten Jahre entscheiden. Jungbrunnen, Wien 1987.

* Söldner, Manfred L.: Depression aus der Kindheit. Familiäre Umwelt und die Entwicklung der depressiven Persönlichkeit. Vandenhoeck und Ruprecht, Zürich 1994.



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