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Referat Der Werdegang Sullas und die Ereignisse der Sullanischen Ara (88-78 v.Chr.) - Die Karriere Sullas bis zum Jahre 88, Das Jahr 88, Kurze Skizzierung der stadtrömischen Vorgänge während Sullas Abwesenheit (87-83)

geschichte referate

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Universität Hannover

Historisches Seminar

Der Werdegang Sullas und die Ereignisse der Sullanischen Ara (88-78 v.Chr.)

Die Karriere Sullas bis zum Jahre 88

Sullas Jugendzeit

L. Cornelius Sulla wurde im Jahre 138 v.Chr. als Sproß einer verarmten Familie des Hochadels geboren. Er genoß eine seinem Stande angemessene Erziehung und eignete sich aufgrund seiner großen Begabung einen hohen Grad von Bildung an. Dennoch erbte er von seinem Vater lediglich ein sehr geringes Vermögen, so daß er zu einem bescheidenen Preis zur Miete wohnen mußte. In seiner Jugend führte er ein verhältnismäßig anstössiges und genußsüchtiges Leben mit teilweise wüsten Zechgelagen, meist in Gesellschaft von Schauspielern, Dirnen und anderen Personen zweifelhafter Herkunft. Trotzdem besaß er ein lebhaftes Bewußtsein von der Würde und den Ansprüchen seines Standes und entwickelte mit zunehmenden Alter eine tief optimatische Grundeinstellung. Durch sein auffallend schönes Außeres von der Gunst der Weiblichkeit stets umschmeichelt, verstand er es, sich unter anderem der Liebe der begüterten Dirne Nicopolis zu versichern, die ihn bei ihrem Tode zum Erben einsetzte. Eine weitere Erbschaft von seiner Stiefmutter ermöglichte es Sulla wahrscheinlich, sich um Staatswürden zu bewerben.

Sulla im Dienste des Marius

In der Erwartung großen Ruhmes ließ sich Sulla, ohne je gedient zu haben, 107 zum Quästor wählen und wurde durch das Los dem damaligen Konsul C. Marius zugeteilt, der die römischen Truppen im Feldzug gegen Iugurtha befehligte. Schnell stellte sich heraus, daß der unerfahrene, junge Quästor wider Erwarten einen ausgezeichneten, kraftvollen und mutigen Soldaten abgab und bei den Truppen wie auch bei Marius wegen seiner Umgänglichkeit und Tüchtigkeit sehr beliebt wurde. Als Führer der Reiterei entschied er durch seine Geistesgegenwart die Schlacht bei Cirta. Kurz darauf knüpfte er in verschiedenen Unterhandlungen im Auftrage des Marius enge Bünde mit dem mauretanischen König Bocchus, dem Schwiegervater Iugurthas. Hierbei trat bereits Sullas Geschick für eine verwobene, teilweise 'gerissene' Politikführung hervor, denn er bewirkte einen Verrat Bocchus´ am listenreichen Iugurtha zum Preis des Friedens mit Rom. Es gelang Sulla 105 mit Hilfe von Bocchus, Iugurtha in einen Hinterhalt zu locken, gefangenzunehmen und Marius zu übergeben.

Wieder zurück in Rom zeigte sich Sulla, der sich in Afrika neben dem Ruhm ein beträchtliches Vermögen angeeignet hatte, nicht geneigt, mit beidem entsprechend bescheiden nur zu glänzen. Sein eitles, großspuriges Auftreten und die wohlwollende Anerkennung seiner Taten durch seine Standesgenossen ließ bald vergessen, daß er in Afrika im Auftrage des Marius gehandelt hatte. Sulla selbst benutzte ständig einen Siegelring mit einer Darstellung der Auslieferung des Iugurtha. Nachdem später auch König Bocchus Sulla durch mehrere goldene Bildsäulen auf dem Kapitol mit der Beschreibung der Gefangennahme Iugurthas ehrte, wurde das Verhältnis Sullas zu Marius nachhaltig getrübt.

Im Kimbernkrieg 104-101 diente Sulla zunächst als Legat (104), dann als Kriegstribun (103) unter Marius, 102 ließ er sich jedoch in das Heer von Q. Lutatius Catulus, des Kollegen des Marius, versetzen und verblieb dort bis zum Ende des Krieges. Auch bei diesem Feldzug erwies sich Sulla, zumindest unter Marius, als geschickter militärischer und politischer Taktierer und Befehlshaber (nennenswert ist beispielsweise ein Bündnis mit dem mächtigen Stamm der Marsen). Plutarch vermutet glaubhaft, daß Sulla letztlich in das Heer des Catulus versetzt wurde, um diesem in der Kriegsführung nicht an einen Marius heranreichenden Feldherrn zur Seite zu stehen und den eigentlichen Befehl über die Legionen zu übernehmen. Deshalb war Sulla wohl auch an verschiedenen Fehlschlägen dieses Heeresabschnittes, die von Marius wieder ausgeglichen werden mußten, nicht ganz schuldlos. Das hatte zur Folge, daß Sulla seinen guten Ruf, sein Ansehen und seinen Einfluß aus dem iugurthinischen Krieg nicht vermehrt oder gar geschädigt sah und in der nächsten Zeit wenig beachtet in Rom lebte.

Sullas Prätur und sein Wirken im Bundesgenossenkrieg

Sulla stellte sich erst im Jahre 95 wieder zur Wahl für das Amt eines Prätors im kommenden Jahr. Er fiel jedoch durch und versuchte es 94 für das Jahr 93 noch einmal. Dabei scheint er das Wahlergebnis aber in Form umfangreicher - und während seiner Prätur deutlich gerügter - Stimmenkäufe zu seinen Gunsten manipuliert zu haben, so daß ihm die Wahl gelang. Beeindruckende Spiele zeichneten Sullas sonst ereignisloses Amtsjahr aus.

Als Proprätor wurde Sulla 92 mit dem Auftrag nach Kilikien ausgesandt, in Kappadokien gegen Mithridates einzuschreiten, der dort nach einem Staatsstreich seinen Vertrauten Gordius als Statthalter eingesetzt hatte. Dieser sollte vertrieben und durch den romfreundlichen, angesehenen Kappadokier Ariobarzanes als König ersetzt werden. Die Erfüllung dieser Aufgabe führte Sulla bis an den Euphrat, wo er die ersten Kontakte Roms mit den um Freundschaft bittenden Parthern herstellte und dabei bewußt den parthischen König durch die Herabsetzung seines Gesandten demütigte. Die ihm im Osten wiederfahrenden Schmeichelungen und seine Erfolge wirkten stark auf Sullas Anschauungen und sein Ego, das er fürderhin noch überheblicher zu entfalten pflegte.

Doch diese Verdienste zerrannen nach Sullas Rückkehr wie feiner Sand in seinen Fingern, denn der Hauptgegner Mithridates war nicht geschlagen, vielmehr trat er aus seiner Zurückhaltung heraus und stellte die alten Verhältnisse in Kappadokien wieder her. Schlimmer noch, Sulla verscherzte durch sein hochmütiges Verhalten ein Bündnis mit den mächtigen Parthern gegen den gefährlichen Feind Mithridates. Zusätzlich zog er sich eine öffentliche Anklage wegen Erpressungen in dem bundesgenössischen Kappadokien zu. Schon in Afrika bewies Sulla, anders als Marius, seine Unredlichkeit gegenüber Bundesgenossen. Durch Erpressungen und unerlaubte Einnahmen ließ Sulla die Bündner zu seinem eigenen Vorteil bluten und mußte sich wiederholt schwere Vorwürfe gefallen lassen. Es kam jedoch nicht zu einer Untersuchung, da der Kläger, C. Censorinus, seinen Antrag auf eine gerichtliche Verfolgung Sullas zurückzog (dessen ungeachtet ist er unter Sullas Gewaltherrschaft umgekommen).

Wie schon erwähnt, mußte die oben beschriebene Säulengruppe des Bocchus zwangsläufig zu einem größeren Konflikt zwischen Sulla und Marius führen, denn sie erweckte den Schein, daß Sulla die allein handelnde Person war und nicht dem Kommando des Konsuls Marius unterstanden hatte. Der Austrag dieses Streites mußte jedoch verschoben werden, als die hinterhältige Ermordung des großen Volkstribunen M. Livius Drusus (91) die darob aufgebrachten italischen Bundesgenossen zu den Waffen greifen und gegen das undankbare Rom ziehen ließ. Livius Drusus hatte sich wesentlich für eine politische Gleichberechtigung der immer mehr in einem Knechtschaftsverhältnis stehenden italischen Bundesgenossen eingesetzt und damit bei vielen Italikern große Hoffnungen und Loyalität erzeugt. Aufgrund der ungeheuren Gefahr, die der Stadt nun drohte, stellte sich Sulla, wie auch Marius, beim Ausbruch des marsischen Krieges dem Senat zur Verfügung. Als Legat wurde Sulla im Jahre 90 dem Südheer unter dem Konsul L. Iulius Caesar zugeteilt, 89 focht er unter dem Konsul L. Porcius Cato, der im Kampf mit den Marsen fiel. Das erste Kriegsjahr bedachte Sulla, im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Marius im Nordheer gegen die Marser, mit keinerlei nennenswerten Erfolgen. Erst im zweiten Jahr gelang es Sulla, die in Kampanien eingedrungenen Samniten durch eine Reihe von Gefechten zu schwächen und schließlich bei Nola in einem grausamen Blutbad vernichtend zu schlagen. Die lange vergangenen Zeiten der Samnitenkriege (343-290) und der Ruhmestaten der Ahnen Sullas, die sich in diesen Kriegen als bedeutende Heerführer hervortaten und einen großen Anteil am Ende des 3. Samniterkrieges 290 hatten, schienen wiederzukehren. Es verwundert daher auch nicht, daß Sulla die ihm von seinem Heer verliehene, traditionenbehaftete Ehrung, den Graskranz (corona graminca) für die 'Rettung aus der Samnitennot', zutiefst genoß. Die Eroberung des Samnitenlagers bildete, ebenso wie die Ergreifung Iugurthas, einen Höhepunkt in Sullas Leben. Nach seinem Sieg zog Sulla, teilweise unerbittlich gegen abgefallene Städte wütend, weiter in das Herz der samnitischen Landschaft und unterwarf die Hauptstadt der Samniten, Bojano. Die Samnitengefahr war vorerst gebannt, obwohl diese nach wie vor im Widerstand verharrten und der Krieg noch keineswegs entschieden war. Mit Nahen des Winters verließ Sulla schließlich sein siegreiches und von ihm mit großem Geschick geführtes Heer, um in Rom den Lohn für seine Verdienste zu erhalten.

Das Jahr 88

Sullas Wahl zum Konsul und der Konflikt mit P. Sulpicius Rufus

Sulla gelang es als erstem Mitglied seines Adelshauses seit 277, das Konsulat zu bekleiden. Nach seinen Erfolgen im Bundesgenossenkrieg hielt er die Gelegenheit für günstig, sich für das Jahr 88 zum Konsulat zu bewerben. Neben dem ebenfalls aristokratischen Q. Pompeius Rufus, dem Vater seines Schwiegersohnes, wurde er mit 50 Jahren fast einstimmig zum Konsul gewählt. Zur höchsten Würde im Staat gelangt, änderte er auch sein privates Leben, indem er sich von seiner dritten Frau Cloelia scheiden ließ und eine Verbindung mit der Nichte des berühmten Q. Caecilius Metellus Numidicus (cos. 109) einging, ein erklärter Todfeind des Marius. Diese Heirat führte Sulla in die engeren Kreise der führenden Adelsfamilien ein. Eine weitere große Verlockung für Sullas Ruhmsucht stellte darüber hinaus der unvermeidlich Feldzug gegen Mithridates im Frühjahr 88 dar, der unter dem Befehl eines der Konsuln stattfinden mußte. Ein Losentscheid versah Sulla mit dieser Aufgabe, während seinem Kollegen Rufus Italien als Provinz zufiel.

Jedoch bedurfte Rom im Angesicht dieses gewaltigen Feindes der vereinigten Kräfte der italischen Bundesgenossen, mit denen bisher aber noch kein vollständiges Friedensverhältnis wiederhergestellt war. Für Rom stellte sich nun das Problem, nach dem Beweis seiner überragenden Staats- und Kriegskunst gegenüber den Italikern diesen bei ihren alten Forderungen nach Gleichberechtigung entgegenzukommen. In richtiger Einschätzung der Lage ließ sich deshalb der junge Patrizier P. Sulpicius Rufus für das Jahr 88 zum Volkstribunen wählen. Als solcher beantragte er das volle Bürgerrecht für die Italiker und für die Freigelassenen, die gegen diese gedient hatten. Nun lag das entscheidende Wort beim Konsul Sulla, der bisher in politischen Amtern keine nennenswerten Tätigkeiten verzeichnen konnte und in diesem Fall staatsmännisches Denken vermissen ließ. Durchdrungen von traditionell aristokratischen Werten, unterschätzte er die Gefahr im Osten und sah als ärgsten Feind nach wie vor die Samniten und das selbstbewußte italische Bauerntum. Er war daher fest entschlossen, den Widerstand gegen ein Einigung Roms mit den Bundesgenossen aufrechtzuerhalten. Entsprechend brauchten Sulla und sein Kollege ihre Amtsgewalt gegen Sulpicius Rufus, indem sie außerordentliche religiöse Feiertage (feriae) erwirkten und somit eine Entscheidungsfindung behinderten.

Sulpicius ließ jedoch nicht von seinem Vorhaben ab. Er sammelte bewaffnete Anhänger um sich und ging mit ihnen zum Forum, wo die Konsuln gerade vor dem Castortempel eine Versammlung abhielten. Als diese sich weigerten, ihre Feiertagsverfügung zurückzunehmen, drang die Menge auf sie ein und tötet dabei auch Sullas Schwiegersohn. Sulla selbst konnte sich nur knapp mit Marius´ Hilfe retten, der ihn in seinem Haus versteckte und durch eine Hintertür Sullas Flucht ermöglichte. Er entkam zu seinem in Kampanien bei Nola stationierten Heer und bereitete die Abreise in den Osten vor. Währenddessen wurden die Anträge des Sulpicius in Rom vom Volk angenommen, weiterhin bewirkte er durch einen Volksbeschluß die Aberkennung von Sullas Kommando zugunsten des Popularen Marius, der bei den Italikern im Gegensatz zu Sulla beliebt war und nun zum Retter in der Not werden sollte. Zu Sullas großem Glück aber trafen die abgesandten Tribunen mit dem Befehl, Sulla des Kommandos zu entheben, erst ein, als Sulla schon bei seinen Truppen weilte. Aus Empörung über diesen Volksbeschluß versammelte Sulla seine ihm treu ergebenen Legionen um sich und erklärte, daß Marius nicht mit ihnen, sondern mit einem anderen Heer nach Asien und somit zu den dortigen Reichtümern aufzubrechen gedenke. Voller Wut über die ihnen vorenthaltene Beute und Ehre steinigten die Soldaten die beiden Tribunen und forderten, unter Sullas Kommando im Bundesgenossenkrieg moralisch verwildert, den Zug gegen Rom selbst. Es liegt auf der Hand, das diese Forderung genau Sullas Intentionen entsprach. Das Unrecht dieser Entscheidung wurde Sulla zwar deutlich gewahr, denn sämtliche höheren Offiziere bis auf einen Quästor sagten sich von ihm los, dennoch setzte er sich und seine Legionen umgehend gegen Rom in Bewegung.

Der erste Marsch auf Rom

Mehrere ihm auf seinem Marsch vom Senat geschickte Gesandtschaften wurden mißhandelt oder abgewiesen, unaufhaltsam verfolgte Sulla sein Ziel. Vor den Toren Roms angelangt, vereinigte er sich mit seinem Kollegen Q. Pompeius Rufus und nahm rachedürstig die Stadt in mehreren kleineren Scharmützeln, unter anderem gegen Marius und Sulpicius mit einer eiligst zusammengerafften Schar Männer. Damit setzte Sulla in der Geschichte Roms eine Zäsur, die ihresgleichen suchte. Niemals zuvor hatte ein römischer Feldherr ernsthaft den ungeheuren Frevel in Erwägung gezogen, gegen seine eigene Vaterstadt zu ziehen und sie einzunehmen. Vermutlich waren Sullas Aufenthalt und Huldigungen im Osten des Reiches nicht ganz schuldlos an seinem wagemutigen Vorgehen. Er hatte nicht vergessen, daß ihm ein Chaldaeer in Kappadokien prophezeit hatte, einst in seiner Heimat der erste Mann zu werden.

Nach der Bezwingung des letzten Widerstandes ließ Sulla die Häupter der ihm entgegengesetzten Bewegung, insgesamt 12 Männer, darunter Marius, dessen Sohn, Sulpicius, zwei Prätoren und andere, durch den Senat ächten (hostem iudicare) und sandte den Flüchtigen seine Reiter hinterher. Außer Sulpicius, der in den Sümpfen bei Laurentum gefaßt, geköpft und in Rom öffentlich auf der Rostra ausgestellt wurde, entkamen alle Geächteten, teils unter abenteuerlichen Bedingungen, den Häschern Sullas. Dabei wurde deutlich, daß große Teile der Bevölkerung mit Sullas Vorgehen nicht einverstanden waren, denn den Flüchtigen wurde vielfache Hilfe zuteil. Marius entkam auf Umwegen mit seinem Sohn an die karthagische Küste Afrikas.

Sulla zögerte nicht, sofort sämtliche Beschlüsse des Sulpicius unverzüglich für nichtig zu erklären und traf zusätzlich die Bestimmung, daß kein volkstribunaler Antrag ohne Prüfung des Senates in die Volksversammlung eingebracht werden durfte. Es wurde wieder zum Gesetz, was zwar seit dem hortensischen Gesetz von 287 keine Geltung mehr hatte, jedoch allgemein praktiziert worden war. Desweiteren erhöhte er die Mitgliederzahl des durch den Bundesgenossenkrieg stark geschwächten Senates um 300 Ritter seines Sympathisantenkreises, ordnete die Abstimmungsverhältnisse in der Volksversammlung neu, indem das Volk wieder in Centuriatskomitien abstimmen sollte und nicht mehr in Tributkomitien und erließ noch einige weitere Gesetze. Das Volk gab ihm sein Mißfallen über seine Regierung dadurch zu erkennen, daß es zu Konsuln des nächsten Jahres (87) nicht Sullas Kandidaten wählte, sondern den Optimaten Cn. Octavius und den entschiedenen, Sulla verhaßten Popularen Cornelius Cinna, einen Anhänger des Marius und Sulpicius. Auch wurde Sullas Kollege Pompeius Rufus von Strabos Soldaten erschlagen, als er auf Sullas Geheiß den Befehlshaber der Nordlegionen, den Prokonsul Cn. Pompeius Strabo, vor der Zeit ablösen sollte. Cinna mußte Sulla schließlich eidlich versichern, daß er keine Feindseligkeiten gegen ihn begehen werde.

Kurze Skizzierung der stadtrömischen Vorgänge während Sullas Abwesenheit (87-83)

Der Krieg im Osten und Cinnas Machtergreifung

Obwohl Cinna dessen ungeachtet direkt nach seinem Amtsantritt damit begann, Sullas Ordnung in Frage zu stellen und sogar den Volkstribunen M. Vergilius gegen ihn aufbrachte, beschloß Sulla, seine auf ihren Einsatz wartenden Legionen nicht erneut gegen seine innenpolitischen Gegner ins Feld zu führen, sondern den dringend auf seine Austragung wartenden Konflikt mit Mithridates auszufechten. Mithridates hatte im Frühjahr 88 den Halys überschritten, die römische Provinz Asien erobert und alle in seinem Machtbereich sich aufhaltenden Römer und Italiker durch einen Mordbefehl hinschlachten lassen. Er fuhr behende mit der Erweiterung seines Reiches fort und nahm schließlich sogar Athen ein. Sullas Armeen erlebten 5 Jahre der Erfolge und Rückschläge in einem von ihrem Oberbefehlshaber rücksichtslos und grausam geführten Krieg.

In Rom suchte Cinna sofort nach Sullas Abreise, dessen Anordnungen rückgängig zu machen. Sein Kollege Octavius, der Sullas Prinzipien vertrat, war zu schwach, um gegen Cinna zu bestehen. Daraufhin kam es zu offenen Straßenkämpfen der beiden Parteien mit zahlreichen Todesopfern. Cinna unterlag, mußte Rom verlassen und wurde vom Senat seines Amtes entsetzt. Unter Anwendung vielfacher rhetorischer und demagogischer Mittel, auch Bestechungen, sammelte Cinna eine große Zahl von Italikern, deren Sache er vertrat, regulären Soldaten und sogar Sklaven um sich. Auch Marius, dessen Name ein ungleich größeres Gewicht bei Volk und Soldaten innehatte, war inzwischen aus Afrika zurückgekehrt und brachte ein zweites, illegitimes Heer aus Veteranen und Anhängern zusammen. Gemeinsam marschierten die Heere gegen Rom, das, von immer mehr Überläufern deutlich geschwächt, sich den Aggressoren ergeben mußte. Mit der Billigung Marius´ hub ein erschreckendes Schlachten gegen die Feinde des Marius, fast ausschließlich Aristokraten, an. Auch andere wurden in dem Gemetzel nicht verschont. Das führte so weit, daß Marius seine zügellosen Banden von regulären Soldaten bekämpfen lassen mußte, um dem Morden Einhalt zu gebieten. Zahlreiche politische Flüchtlinge sammelten sich in Sullas Hauptquartier im Osten. Als Marius zu Beginn seines siebenten Konsulates im Jahre 86 starb, wurde deutlich, daß sich aus dem angerichteten Chaos keine kreativen, politischen Kräfte herauskristallisiert hatten. In den nächsten Jahren war Cinna, der sich stets erneut zum Konsul ernannte, der gewaltsame, konzeptions- und ideenlose Führer des staatlichen Apparates. Sulla wurde zum Staatsfeind erklärt und seine Güter verwüstet. Lediglich die Bundesgenossenfrage wurde in dieser Zeit endgültig im Sinne der Italiker gelöst.

Der zweite Marsch auf Rom

Nach Sullas Sieg im Osten (mit Mithridates war ein für den König vorteilhafter Frieden geschlossen worden) und unbarmherzigen Auflagen für die Provinz Asien, von denen sich manche Landstriche wirtschaftlich nicht mehr erholen konnten, betrat er 83 wieder mit seinen erneut auf ihn eingeschworenen Legionen italischen Boden. Er war fest entschlossen, sich an seinen politischen Gegnern gnadenlos zu rächen und in Rom wieder Ordnung einkehren zu lassen. Ein Versuch der römischen Führung im Jahre 86, ihn des Oberbefehls zu entsetzen und den Krieg einem eigenen Feldherrn samt Heer zu übertragen, scheiterte am Vorgehen des von Cinna entsandten Konsuls L. Valerius Flaccus, der entgegen seinem Auftrag nicht mit Sulla verhandelte und in Kleinasien einen eigenen Krieg gegen Mithridates begann.

Sulla stand 83 nun einer kopflosen römischen Führung gegenüber - Cinna war 84 von meuternden Truppen erschlagen worden - und trotz seiner Zusicherung, an der Bundesgenossenfrage nicht weiter zu rühren, griffen die Italiker, allen voran die Samniten, zu den Waffen, um die römische Regierung im Kampf gegen den Heimkehrer zu unterstützen. Sulla hatte diesmal kein vergleichbar leichtes Spiel wie bei seinem ersten Marsch auf Rom. Der Bürgerkrieg zog sich bis in das Jahr 82 hinein und weitete sich auch auf die westlichen Provinzen aus. Unter Einsatz seines ganzen militärischen Genies und unvorstellbarer Grausamkeiten gegenüber seinen Gegnern war er schließlich uneingeschränkter Herr über Italien und fand Rom in den Wirren eines heillosen politischen Chaos. Als seine Gegner schon auf verlorenem Posten standen, verrichteten sie in Rom unter Führung des Sohnes von Marius noch ein grausames Blutbad, eine skrupellose Verzweifelungstat, der zahlreiche ehrwürdige Senatoren zum Opfer fielen.

Die Jahre 82-78

Sullas Gewaltakte und die Prokriptionen

Sulla erkannte, daß der römische Staat nicht durch eine Waffenruhe und Rückkehr zur ursprünglichen Verfassung zu retten sei. Rachedürstig war er entschlossen, eine radikale Restauration eines Staates herbeizuführen, der für seine Gegner keinen Platz mehr bot. Er wollte die physische Vernichtung seiner Feinde, besonders in den Reihen des von ihm als eigentliche Belastung des Staates angesehenen Rittertums, das bis zuletzt dem Sulpicius Rufus seinen Beistand versichert und aus den Ereignissen der letzten zehn Jahre ökonomischen Profit geschlagen hatte.

Die nächsten sieben Monate waren erfüllt vom Geschrei der Opfer von Sullas Gewaltherrschaft. Er ließ die Gebeine des Marius ausgraben und in den Anio streuen, machte alle Verfügungen Marius´ rückgängig und entfernte Bilder oder Säulen mit dessen Ruhmestaten aus Rom. Tausende seiner Feinde, ausschließlich Aristokraten und Ritter, fielen den Proskriptionen zum Opfer, einem Edikt, das jeden von ihnen in Form öffentlicher Listen zu einem Vogelfreien erklärte und dem Dolche eines Mörders reiche Beute versprach. Dieses Verfahren war an sich zwar tief aus dem Schatten der Rechtlosigkeit herausgetreten, doch heiligt der Zweck bekanntlich die Mittel. Die Güter der Ermordeten oder Verbannten wurden an Sullas Anhänger versteigert, deren Söhne und Enkel von allen Amtern ausgeschlossen. Gleiches galt sogar für die im Kampf gefallenen Gegner Sullas. Durch gelegentliche Erweiterungen der Listen herrschte darüber hinaus eine ständige Existenzangst in den führenden Kreisen Roms. Sulla bezweckte eine gründliche Verschiebung in der herrschenden Oberschicht des römischen Volkes zu seinen Gunsten, um seine Erlasse auf Dauer zu etablieren. In den ca. 10000 Sklaven der Proskribierten, die gänzlich als seine persönlichen Freigelassenen galten und die von ihm adoptiert und mit dem Gentilnamen der 'Cornelier' versehen wurden, fand er neben seinen Günstlingen und Veteranen eine weitere, treue Klientel.

Während in Rom nur die Oberschicht Sullas Rachezorn zu spüren bekam, mußte das geringe Volk Italiens, im Bereich der ehemaligen Bündner, ein noch viel schwereres Joch ertragen. Die Italiker wurden von Sulla trotz Anerkennung ihrer neuerworbenen Rechte wie auswärtige Feinde behandelt, nie gesehene Massenabschlachtungen, Vertreibungen und Grenzverschiebungen mußte Italiens blutdurchtränkte Erde erblicken. Die Samniten wurden vollends ausgerottet und weite Landstriche Italiens derart verwüstet, daß sie sich nicht mehr zu erholen imstande zeigten. Diese Bestialitäten erwiesen sich jedoch für Sullas Position in mancher Hinsicht als vorteilhaft, er konnte nun ungehindert seine ungefähr 100.000 Veteranen auf italischem Boden ansiedeln, befriedigte damit ihre elementaren Erwartungen an ihren Feldherrn und besaß in ihnen ein großes Reservoir von Anhängern und ständig verfügbaren Kampfgenossen, die, über ganz Italien verteilt, zusätzlich eine ausgezeichnete 'Wächterfunktion' über die Italiker besaßen. Dabei bediente er sich auch des Gedankengutes der Gracchen, wenn er untersagte, die zugewiesenen Parzellen eigenmächtig zu veräußern.

Die Diktatur Sullas

Diese Situation der uneingeschränkten Gewaltherrschaft konnte aber bei einem so stark in Rechtsformen denkenden, auf eine lange republikanische Tradition zurückblickenden Volk wie dem römischen nicht lange aufrechterhalten werden. Deshalb bemühte sich Sulla um eine nachträgliche Legitimation seines Tuns. Er erkannte die Bedeutung einer formellen, rechtlichen Basis seiner nach Kriegsrecht erworbenen Macht, um ein dauerhaft zuverlässiges Funktionieren der neuen Ordnung zu gewährleisten. Da beide Konsuln im Bürgerkrieg gefallen waren, ließ er den Senat verfassungsgemäß einen Interrex bestimmen. Die Wahl fiel auf den princeps senatus L. Valerius Flaccus, dem gescheiterten Vermittler zwischen Sulla und den Popularen zur Zeit Cinnas. Ihn überzeugte Sulla von der Wichtigkeit eines Diktators für das Staatswohl anstelle von den üblichen, neuen Konsulwahlen unter seiner Aufsicht. So wurde Sulla durch ein von Flaccus eingebrachtes Gesetz zum dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae (Diktator zur Abfassung von Gesetzen und zur Ordnung des Gemeinwesens) ohne zeitliche Begrenzung, alle rechtliche Gewalt wurde auf Sulla übertragen und seine gesamten Handlungen und Verfügungen nachträglich als rechtskräftig anerkannt. Unmittelbar darauf setzte Sulla Flaccus als magister equitum ein und gab überraschend die Erlaubnis zu Konsulwahlen. Es wird deutlich, daß Sullas Diktatur nicht derjenigen der ursprünglichen republikanischen Verfassung entsprach, vielmehr übernahm er nur die äußere Form der früheren Diktatur, beispielsweise die Ernennung durch einen Interrex.

Sulla baute daraufhin mit tief konservativer Einstellung die römische Verfassung mit der Ambition um, das den Staat tragende aristokratische Herrschaftsinstrument wiederherzustellen und zu erhalten. Dabei wollte er die Verfassung für zukünftige Angriffe stabiler gestalten und bewirkte unter anderem eine entscheidende Schwächung des Volkstribunats, welches für ihn die Wurzel allen Übels darstellte. Einem Volkstribunen war fürderhin jede weitere Betätigung in einem kurulischen Amte versagt, was bedeutete, daß die Bekleidung dieses Amtes eine zukünftige politische Karriere zerstörte. Auch die unvermeidlich engen Bindungen der römischen Kommandeure zu ihren Heeren und die damit einhergehende Revolutionsgefahr unterband er durch die Verfügung, daß die Magistrate cum imperio während ihrer regulären Amtszeit Italien nicht verlassen durften und somit keinen Kontakt zu einem Heer bekamen. Nach dem Amtsjahr sollten sie als Promagistrate in die Provinzen abkommandiert werden, die sie unter Strafe nicht mit einem Heer verlassen durften. Um die Zahl der Magistrate den Provinzen anzugleichen, erhöhte er die Zahl der Prätoren auf acht. Weiterhin reformierte Sulla beispielsweise das Strafrecht durch Vermehrung der stehenden Gerichtshöfe und erließ Gesetze zur Verbesserung der Sitten sowie gegen Ehebruch und Verschwendungssucht.

Sullas Etablierung der Reformen und sein letztes Jahr

Sullas diktatorische Gesetzgebung fand im wesentlichen im Jahr 81 statt. Um die reformierte Verfassung mitsamt den staatlichen Mechanismen in Gang zu setzen, erkannte Sulla klug und umsichtig, daß er sich von seiner Machtposition nach Vollendung seines Werkes allmählich lösen mußte, um der republikanischen Ordnung ihre Eigendynamik in nun neuen (alten?) Bahnen wiederzugeben. Im Jahre 80 bekleidete er zusammen mit Q. Caecilius Metellus Pius das Konsulat und ein Jahr später legte er jegliche staatliche Würde, namentlich seine Diktatur, nieder.

Das Privatleben auf seinem cumanischen Landgut bot Sulla zahlreiche Reize, ähnlich denen seiner Jugend, und er brauchte mögliche Repressalien seiner Gegner aufgrund seiner gewaltigen Klientel nicht zu fürchten. Als er im folgenden Jahr (78) starb, geleiteten ihn seine ehemaligen Soldaten in Reih und Glied, wie sie unter ihm gedient hatten, zur letzten Ruhestätte. Sulla, der große, vom Glück verwöhnte römische Staatsmann und Feldherr, konnte die Früchte seiner Bemühungen nicht mehr miterleben. In der Nachwelt aber verankerte sich die Erinnerung an seine unermeßlich grausamen Taten tiefer als seine Verdienste um den römischen Staat.



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