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Referat Der Sturm und Drang als literarische Epoche - Sturm und Drang zwischen Aufklärung und Klassik ?, Goethe – von den Anfängen bis zur Italienreise


epochen referate

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Der Sturm und Drang als literarische Epoche

Sturm und Drang zwischen Aufklärung und Klassik ?

Noch in der Spätphase der europäischen Aufklärung entwickelte sich in Deutschland eine literarische Epoche, die später nach dem gleichnamigen Drama von Klinger

Sturm und Drang (1776) benannt werden sollte.

Der Sturm und Drang war nicht wie andere eine gesamteuropäische Epoche, sondern er war eingebunden in die besondere Entwicklung der deutschen Literatur und Gesellschaft.

Ebenfalls hatte der Sturm und Drang keine Entsprechung in der Musik, der Malerei oder auch der Architektur. Gerade die Musik und die Architektur waren in der Zeit des aufgeklärten Absolutismus höfische Künste, und standen somit im Gegensatz zum Sturm und Drang, der ganz in der Tradition der Aufklärer, ebenfalls auf die Emanzipierung des Bürgertums zielte.

Anders als in der Aufklärung wird im Sturm und Drang allerdings die Individualität neben die Vernunft gestellt. Während die Aufklärer, wie z.B. Lessing, versuchten bürgerliche Moralvorstellungen über die Bühne zu verbreiten und so das Publikum, vor allem natürlich das bürgerliche Publikum, im Sinne der Fähigkeit zur Selbstfindung und zur Stärkung des Selbstbewusstseins zu erziehen, rückte im Sturm und Drang die Individualität, beziehungsweise das Gefühl, gleichberechtigt neben die Vernunft.

Gefühle wie Kraft, Stärke, Liebe, Hass, Verzweiflung wurden als Einheit von Geist, Seele und Leib gesehen. Sie stehen nicht in Opposition zu Verstand und Vernunft,

sondern unterstützen diese produktiv.

In diesem Sinne bewahrt der Sturm und Drang eine gewisse Kontinuität zur Aufklärung,

während gleichzeitig eine Diskontinuität diese Phase kennzeichnet.

Ganz anders ist das Verhältnis des Sturm und Drang zur Klassik.

Gerade durch die beiden prägenden Figuren der Weimarer Klassik Goethe und Schiller,

die ja auch den Sturm und Drang entscheidend beeinflussten, wurde dieser oft als „Vorklassik“ oder gar als „unreifere“ Form der Klassik gesehen.

Diese Epoche kann also als Prozess des Übergangs verstanden werden, in der die Aufklärung noch weiterwirkt und die Epoche der Klassik vorbereitet wird.


Der Sturm und Drang – eine kurze Epoche

Zeitlich lässt sich die Phase des Sturm und Drang sehr gut einordnen.

Sie umfasst die Jahre zwischen 1770, in dem sich Goethe und Herder in Straßburg begegnen, und 1789, dem Jahr der Französischen Revolution.

Nicht zuletzt durch die für beide Schriftsteller sehr fruchtbare Begegnung in Straßburg, wird 1773 Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand veröffentlicht, der als ein erster Höhepunkt dieser Phase gelten darf, dem 1774 Die Leiden des jungen Werther  und auch der etwas „leichtereClavigo folgen.

Ein weiterer Höhepunkt dieser Phase kündigt sich im Jahr 1776 an, das oft auch als das Dramenjahr bezeichnet wird. In jenem Jahr werden eine Reihe der wichtigsten Dramen der Zeit veröffentlicht, so zum Beispiel Heinrich Leopold Wagners Die Kindermörderin,  Klingers Sturm und Drang und auch Goethes Stella werden in diesem Jahr uraufgeführt.

Etwas verspätet werden die Dramen des jungen Schiller veröffentlicht,

Die Räuber (1781), Die Verschwörung des Fiesko zu Genua (1783) und schließlich Kabale und Liebe (1784).

Auch geographisch kann man diese Epoche eingrenzen. Zum einen gab es in den frühen siebziger Jahren des  18. Jahrhunderts die sich teilweise personell überschneidenden Kreise um Herder, Goethe, Wagner und Merck in Straßburg und Frankfurt;

In Göttingen gab es einen Kreis um Voß und Bürger und nicht zuletzt gab es den schwäbischen Kreis um Schubart und Weckherlin zu dem auch der junge Schiller gezählt wird.

Das eigentlich künstlerische Ende dieser Schaffensperiode lässt sich auch auf die Jahre 1785/86 datieren, in denen Schiller seine Mannheimer Zeit abschließt und Goethes erste Weimarer Periode mit seiner Italienreise endet.

Goethe – von den Anfängen bis zur Italienreise

Geboren wurde Johann Wolfgang von Goethe am 28. August 1749 in Frankfurt am Main.

Sein Elternhaus gehörte zum wohlhabenden, gebildeten Bürgertum. Sein Vater, ein Jurist, war streng, ordnungsliebend und ein Freund Italiens. Seine Mutter war eine sehr lebenslustige, aufgeschlossene und gebildete Frau.

Goethe genießt eine sorgfältige und vielseitige Privaterziehung. Hier zeigt er schon früh Interesse und auch einiges Talent im Umgang mit Sprachen und Literatur.

Weihnachten 1753 bekommt er von der Großmutter ein Puppentheater geschenkt,

dass einen langanhaltenden Eindruck auf ihn macht, ebenso wie die Aufführungen einer französischen Truppe, die während Frankfurts französischer Besatzung dort spielt, und bei denen Goethe häufiger Zuschauer ist.

Obwohl Goethe lieber nach Göttingen zum Studium von Literatur und Philosophie gegangen wäre, studiert er auf Drängen des Vaters ab 1765 Jura in Leipzig.

Leipzig galt damals als Zentrum der Aufklärung und des Rokoko in der zum Beispiel Johann Christoph Gottsched (1700 – 1766) lebte und arbeitete.

Goethe ist allerdings bald enttäuscht, verschiedene Theaterbesuche machen ihm klar, dass er vollkommen auf sich selbst gestellt ist, wenn er etwas neues schaffen will.

Hier bekommt er schließlich auch die entscheidenden Impulse für seinen Hang zur Individualität.

Am 01. September 1768 kommt er enttäuscht, ratlos und zu allem Überfluss erkrankt wieder in Frankfurt an. Hier bleibt er, bis er im April 1770 nach Straßburg geht, um dort seine juristischen Studien zu vollenden und im August 1771 schließlich auch zu promovieren.

Sein Aufenthalt in Straßburg hat für Goethes erste Phase große Bedeutung. Hier liegt sozusagen die Keimzelle des Sturm und Drang. Eine Reihe verschiedener Faktoren dienen hier als Auslöser einer großartigen Schaffensperiode.

Goethe genießt die elsässische Landschaft und er entdeckt seine Freude an mittelalterlicher Baukunst, die zu der Zeit eigentlich als antiquiert gilt.

Hier lernt er auch die Seesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion (1752 – 1813) kennen und verliebt sich in sie.

Im August 1771 trennt er sich allerdings wieder von ihr und hat große Schuldgefühle, die noch Jahre später in seinen Dichtungen und Lebenszeugnissen zum Ausdruck kommen.

Am allerwichtigsten ist jedoch seine Begegnung mit Johann Gottfried Herder (1744 – 1803), der keinen geringen Einfluss auf den jungen Goethe hat.

Von Herder lernt Goethe zum Beispiel das Gefühl höher zu bewerten als die Vernunft; oder den Wert einer Dichtung nicht davon abhängig zu machen, ob sie bestimmten Regeln entspricht, sondern davon ob sie Ausdruck innerer Erlebnisse, also echt, beziehungsweise original sei. Der Straßburger Freundeskreis Goethes bildet also diese Keimzelle der neuen, revolutionären Geniebewegung.

Am Ende des Jahres 1771 eröffnet der gerade 22jährige im Haus der Eltern in Frankfurt eine Anwaltspraxis und macht 1772 ein Praktikum am Reichskammergericht in Wetzlar.

Hier lernt er Charlotte Buff ( 1753 – 1828) und ihren Verlobten Georg Christian Kestner (1741- 1800) kennen, aus deren Beziehung viel in Die Leiden des jungen Werther einfließt. 1775 verlobt er sich mit der Frankfurterin Anna Elisabeth Schönemann (1758 – 1817) und noch im gleichen Jahr entzieht er sich dieser Bindung wiederum.

In dieser Frankfurter Zeit entsteht eine große Anzahl von Werken. Unter anderem

Götz von Berlichingen (1773), und eben Die Leiden des jungen Werther (1774),

aber auch Clavigo (Mai 1774) und Stella (1775), die wiederum ganz anders sind als die beiden vorhergehenden Stücke.

Auf Einladung des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, Carl August (1757 – 1828),

besucht Goethe im November 1775 Weimar. Er denkt zunächst nur an einen kurzen Besuch, doch es stellt sich bald heraus, dass er länger bleiben wird. Zwischen 1775 und 1786 übernimmt Goethe immer mehr Hofämter und kommt nun, durch die Tagesgeschäfte, immer seltener zum schreiben und dichten. Zusätzlich beginnt er 1781 auch noch eine Reihe naturwissenschaftlicher Studien, er entdeckt z.B. den Zwischenkieferknochen. Während dieser Zeit entstehen unter anderem Iphigenie auf Tauris  (vollendet 1786) und Torquato Tasso ( vollendet 1789).

Ungefähr acht Jahre lang, von 1775 bis 1784, ist Goethe die treibende Kraft im Liebhabertheater des Weimarer Hofes. Durch seine Initiative wird Herder Generalsuperintendent und bedeutende Schauspielerinnen der Zeit verstärken das Weimarer Ensemble.

Nach einem Kuraufenthalt in Karlsbad kehrt Goethe nicht nach Weimar zurück,

sondern bricht überraschend  am 03. September 1786 nach Italien auf.

Erst am 18. Juni 1788 ist Goethe wieder in Weimar. Durch die Eindrücke dieser Reise,

vor allem der mediterranen Natur, Neapels und Roms, ist er vollkommen gewandelt.

Die Verehrung des Individualismus wandelt sich in eine Bewunderung des Dauernden,

des Naturgesetzlichen. Goethes Sturm und Drang Zeit ist mit dieser Reise endgültig vorbei, und es beginnt eine neue große Epoche, die Klassik.



Clavigo – Ein Trauerspiel

Der Clavigo wurde innerhalb von nur acht Tagen im Mai 1774 geschrieben, nur kurz nach der Fertigstellung des Werther. Den Stoff für das Stück bezog Goethe aus dem gerade erschienenen vierten Teil der Memoiren des Beaumarchais, der unter anderem auch die bedeutenden Komödien Der Barbier von Sevilla (1775) und Die Hochzeit des Figaro (1784) geschrieben hatte. Beaumarchais schildert hier die Gründe seiner Reise nach Spanien. Er wollte für seine Schwester von dem Archivar und Journalisten Clavijo y Fajardo eine Ehrerklärung abpressen, die die Gründe für sein gebrochenes Eheversprechen darlegen.

Beaumarchais selbst hat das Stück noch 1774 in Augsburg gesehen, die Premiere war kurz zuvor in Hamburg. Auch Clavijo y Fajardo scheint das Stück zumindest gelesen zu haben,

da er noch Jahre später mit Freunden über seinen theatralischen Tod gesprochen haben soll, so Walter Henze in seinem Buch über den jungen Goethe.1

Das Stück selbst ist wieder in Einheit von Zeit, Ort und Handlung geschrieben.

Trotzdem lebt das Stück von seinen Gegensätzen und vor allem von den polaren Charakteren, die eine Art Grundmotiv in Goethes Dramen darstellen.

Gleich am Anfang des ersten Aktes lernen wir Clavigo als nach Macht, Ruhm und Einfluss strebenden Menschen kennen. < Ich wäre nichts, wenn ich bliebe, was ich bin!

Hinauf! Hinauf! Und da kostet´s Mühe und List! Man braucht seinen ganzen Kopf;

Und die Weiber, die Weiber! Man vertändelt gar zu viel Zeit mit ihnen.> ( vergl. S.6 ).

Carlos, sein Freund bestärkt ihn in dieser Ansicht und doch kommt auch sein wankelmütiges Wesen zum Vorschein, denn kurz darauf sagt er, < Ich kann die Erinnerung nicht loswerden, dass ich Marien verlassen – hintergangen habe, nenn´s wie du willst.> Ebenfalls im ersten Akt kommt Beaumarchais, Maries Bruder, im Hause Guilberts, des Schwagers an, mit dem Vorsatz den Verrat an Marie zu rächen.

Im zweiten Akt schreitet er nun zur Tat. Er besucht Clavigo unter einem Vorwand und gibt sich erst später zu erkennen.

Beaumarchais will hier von Clavigo eine Erklärung abtrotzen und erhält sie auch unter der Bedingung, dass er ein gutes Wort für Clavigo bei Marie einlegen wird.

Denn Clavigo, der Marie scheinbar doch liebt, will sein Eheversprechen nun einhalten.

Im dritten Akt besucht Clavigo Marie um ihr Herz zurückzugewinnen und nach anfänglichem Zögern erhört sie ihn abermals.

Der vierte Akt ist nun das Gegenstück zum zweiten Akt, Clavigo wird hier stark von Carlos beeinflusst, der ihm die negativen Konsequenzen dieser Verbindung eindringlich darstellt. Gemeinsam planen sie nun den erneuten Meineid und Verrat an Marie.

Am Ende dieses Aktes erhält Beaumarchais ein Schreiben, indem er angeklagt wird, Clavigo, den Archivarius des Königs im Bette bedroht zu haben. Auf diesen neuerlichen

Meineid reagiert Marie so geschockt und verzweifelt, dass sie stirbt.

Im letzten Akt, als Clavigo zu Don Carlos eilt und er an Mariens Haus vorbeikommt,

sieht er den Leichenzug und wird sich seiner Tat bewusst. Kurze Zeit später kämpft er mit Beaumarchais, der ihm mit dem Degen einen tödlichen Hieb versetzt.

Clavigo stirbt reumütig über Mariens Sarg und bittet um Vergebung, ja er will sogar seinem Mörder zur Flucht verhelfen und nötigt dem herbeigeeilten Carlos das Versprechen ab, zu helfen.

Schon im Aufbau des Stückes zeigt sich in welchem Zwiespalt Clavigo steckt und auch wie beeinflussbar er ist. Einerseits ist er getrieben von dem Drang nach Ungebundenheit und Größe, andererseits sehnt er sich nach der Liebe und dem Glück dieser Beziehung.

Genau diesen beiden Polen von Clavigos Innerstem geben Carlos und Beaumarchais Ausdruck. Carlos ist ein strikt vernünftiger, klardenkender, vielleicht sogar berechnender Mensch. Er ist es, der dem schwankenden Clavigo diese Verbindung abermals ausredet.

Frauen, besonders Ehefrauen, stellt er als nützliches Beiwerk dar, die entweder durch ihre Schönheit den Mann schmücken oder durch ihre Stellung die Macht des Ehemanns legitimieren. Ansonsten seien sie nur für Affären gut.

Auffällig ist auch, dass die Frauen im Clavigo nur die Leidenden, zur Passivität verurteilten sind. Gehandelt wird nur von den Männern.

Carlos bringt es auf den Punkt,< Hier liegen zwei Vorschläge auf gleichen Schalen.

Entweder du heiratest Marien und findest dein Glück in einem stillen bürgerlichen Leben,

in den ruhigen häuslichen Freuden; oder du führest auf der ehrenvollen Bahn deinen Lauf weiter nach dem nahen Ziele.> ( S. 43, Z. 10 ff )

Carlos intrigiert hier nicht, er erzwingt nur eine Entscheidung, die nach heutigem Maßstab nur allzu normal ist, die Frage zwischen Familie und Karriere.

Hier zeigt sich auch wieder Goethes Hang zum Individualismus, der die Frage nach der Selbstverwirklichung des Ich außerhalb von bürgerlich, moralischen Grenzen stellt. Den Gegenpol hierzu bildet Beaumarchais, der Clavigo wieder zur Vernunft bringen will, zumindest aber die Ehre seiner Schwester wiederherstellen.

Als er vom Bruch des Eheversprechens hört, eilt er sofort von Frankreich nach Spanien um Clavigo zur Rede zu stellen. Ganz nach den Vorstellungen von Sittlichkeit und Moral, soll Clavigo die Ehrenhaftigkeit Mariens öffentlich und schriftlich darlegen.

Clavigo, der geniale Schriftsteller und Archivarius des Königs, scheint hier vollkommen überfordert zu sein.

Im Faust kommt dieses Bild später noch einmal zum Tragen, wenn Faust nämlich fragt,:

< Sind wir ein Spiel von jedem Druck der Luft ? >. (Faust, Vers 2724 )

Auch hier wird der äußere Einfluss sichtbar, dem auch der exeptionelle Mensch unterworfen sein kann.

Clavigo schwankt also sichtbar zwischen diesen beiden Kontrastfiguren.

Im zweiten Akt muss er sich dem energischen Auftreten Beaumarchais beugen, an dessen Ende er zu Marie zurückkehren will und im vierten Akt passiert das genaue Gegenteil,

er muss sich den starken Argumenten seines Freundes Carlos beugen und beschließt den erneuten Meineid um seine Karriere zu retten.

Der sehr kurze fünfte Akt hat eine Sonderstellung im Drama, es ist der einzige, der außerhalb der Wohnungen der beiden Parteien und bei Nacht spielt.

In diesem Akt treten schließlich auch die Worte hinter der großen Gestik dieses Aktes zurück. Clavigo versöhnt sich sterbend mit Beaumarchais und ist im Tode mit Marie vereint.

Generell bedient sich das Stück vieler großer Gefühlsausdrücke. Dieser Herzton kam schon kurz vorher im Werther zum Ausdruck und doch ist dieses Werk vollkommen anders, da es wieder in der geschlossenen Form und in einem gefühlvollen Stil dicht an der Empfindsamkeit geschrieben wurde.           Das Interesse für diesen Stoff und die Schnelligkeit mit der Goethe dieses Drama geschrieben hat, ist wahrscheinlich daher zu erklären, dass er selbst noch Schuldgefühle gegenüber Friederike Brion, der Pfarrerstochter aus Straßburg, hat, die er selbst

damals sitzen ließ. Er kann hier seine eigensten Gefühle ausdrücken und sogar die Motive dieser Tat als nicht allzu unehrenhaft erscheinen lassen.




Goethe selbst schreibt in Dichtung und Wahrheit ( 1 Buch ) < [] zu der Zeit, als der Schmerz über Friederikens Lage mich beängstigte, suchte ich, nach meiner alten Art, abermals Hülfe bei der Dichtkunst. Ich setzt die hergebrachte poetische Beichte wieder fort, um durch diese selbstquälerische Büßung einer innern Absolution würdig zu werden.

Die beiden Marien in  >Götz von Berlichingen< und >Clavigo<  und die beiden schlechten Figuren, die ihre Liebhaber spielen [Weislingen, Clavigo], möchten wohl Resultate solcher reuigen Betrachtungen gewesen sein.>

Goethe versuchte also sich durch das Schreiben dieser Dramen von seiner Schuld zu befreien und vielleicht sogar die Motive für sein eigenes Handeln darzulegen.

Clavigos Motive sind ja durchaus respektabel, ganz in aufklärerischem Sinn, will er als Schriftsteller zur Geschmacks- und Meinungsbildung beitragen.

Die Titelgestalt und auch das ganze Stück selbst sind gekennzeichnet durch einen inneren Zwiespalt des bestimmbaren Menschen, also zwischen dem was das Gefühl, das Herz ihm sagt und dem was er für vernünftig erachtet.

Dieses Schwanken wird  gerade durch die äußeren Einflüsse verstärkt und sichtbar gemacht.

Stella – Ein Trauerspiel

Vor mehr als zehn Jahren hat Fernando seine Gattin Cäcilie und seine kleine Tochter Lucie verlassen, um seinem starken Freiheitsdrang nachzugeben.

Cäcilie quält sich mit der Erinnerung an ihn und gerät zusätzlich noch in finanzielle Schwierigkeiten. Fernando jedoch lernt auf seinen Reisen die gerade sechzehnjährige Stella kennen und verliebt sich in sie.

Auch sie verliebt sich Hals über Kopf in Fernando und gemeinsam ziehen sie auf ein einsames Rittergut, wo sie fünf glückliche Jahre verleben.

Doch Fernandos Freiheits- und Abenteuerdrang sind wieder stärker und so verlässt er auch Stella ohne weitere Nachricht.

Durch eine Verkettung von Zufällen sind nun gerade Cäcilie, die sich Madame Sommer nennt, und ihre Tochter gerade auf besagtem Rittergut, als Fernando zurückkehrt.

Nun muss er sich zwischen seiner Frau und Tochter und der Geliebten entscheiden.

Der erste Akt des Dramas stellt das äußere Leben vor, Cäcilie und ihre Tochter treffen im Posthause ein, denn Lucie hat gute Chancen eine Anstellung bei Stella als Gesellschafterin zu finden. Nach drei Jahren der Suche nach seiner Frau und Tochter und einer Beschäftigung als Offizier im Ausland, trifft auch Fernando im Posthause ein und speist dort sogar, ohne es zu wissen, mit seiner Tochter.

In diesem ersten Akt wird schon deutlich wie sehr Cäcilie unter der Trennung von ihrem Mann leidet.

Im zweiten Akt lernen sich zunächst erst mal die drei Frauen kennen und Stella und Cäcilie, die ja das gleiche Schicksal teilen, obwohl sie natürlich nichtsahnend sind, dass es sogar den gleichen Mann betrifft, sind sich sehr sympathisch.

Ab jetzt spielt das Drama auch nur noch in dem abgeschirmten Bereich des Ritterguts.

Erst am Schluss dieses Aktes erkennt Cäcilie, dass sie und Stella von dem gleichen Mann sprechen und Stella bekommt Nachricht von der Rückkehr Fernandos.

Der dritte Akt ist gleichsam zweigeteilt, der Anfang des Aktes ist gekennzeichnet von der Freude über das unerwartete Wiedersehen von Stella und Fernando. In der zweiten Hälfte des Aktes wird Fernando durch das plötzliche Aufeinandertreffen mit seiner Frau, die er anfangs kaum erkennt, an seine Schuld erinnert und missbilligt sein eigenes unentschlossenes Verhalten mit den Worten, < Herz! Unser Herz! o, wenn´s in dir liegt, so zu fühlen und so zu handeln, warum hast du nicht auch Kraft, dir das geschehene zu verzeihen? >

Schon jetzt weiß Cäcilie, dass sie zugunsten von Stella verzichten will und denkt über ihre Flucht mit Lucie nach. Fernando will mitfliehen, ist sich aber darüber bewusst sich erneut Schuld aufzuladen und beklagt das auch.

Fernando will sich nun im vierten Akt schließlich von Stella verabschieden, die die Welt nicht mehr versteht, als sie die Absicht erkennt.

Der Schluss des Aktes ist gekennzeichnet von Ratlosigkeit und Trauer, die Cäcilie mit den Worten zum Ausdruck bringt < Und kann der Knoten gelöst werden, heiliger Gott im Himmel! Zerreiß ihn nicht. >

Im letzten Akt steht Fernando nun schon kurz vorm Selbstmord und Stella ist völlig aus der Fassung, während Cäcilie den möglichen Ausweg durch ein Gleichnis erzählt.

Der Graf von der Gleichen, der einen Kreuzzug durch die liebevolle Pflege einer Sarazenin überlebt, nimmt diese mit nach Deutschland.

Er stellt sie seiner Frau vor und auch die ist der Sarazenin dankbar und so leben sie einfach zu dritt weiter.

Eine ähnliche Lösung könnte also auch für sie in Frage kommen, und Fernando ist anfangs auch gar nicht abgeneigt, jedoch ist er weiterhin so verzweifelt, dass er den Schauplatz verlässt und sich erschießt. Stella hat sich währenddessen kurzerhand selbst vergiftet. Dies ist allerdings die zweite Fassung des Schlusses dieses Stückes, der auf Schillers Initiative zurückgeht und um 1800 geschrieben wurde.

In der ersten Fassung, die mehr dem Sturm und Drang entspricht, leben sie tatsächlich zu dritt weiter, was für die damalige Zeit jedoch skandalös war und zu großer Empörung führte.

Kurz nachdem Schiller starb wird das Drama 1806 in der zweiten Fassung am Weimarer Hoftheater aufgeführt und in den folgenden Jahren oft wiederholt.

Dieses Drama ist vom Grundton und von der Gesinnung des (Anti-) Helden her, dem Clavigo sehr ähnlich. Fernando steht vor dem gleichen Dilemma einer alten Schuld und einem immer fortwährendem Drang nach Freiheit, da er in der erfüllenden Bindung an eine Frau gleichzeitig Beschränkung empfindet.  

Erschwerend für Fernando ist das Dreiecksverhältnis seiner Beziehung, so dass er sich nicht nur zwischen seiner Frau und der Freiheit entscheiden muss, sondern gleich zwischen zwei Frauen.

Fernando quält sich eigentlich nur durch das ganze Drama, er möchte alles haben und ist doch nicht fähig auch nur einen Teil ganz zu besitzen. Er ist weder ganz Ehemann, noch Geliebter, noch Vater. Am Ende scheitert er an seinem eigenen Unvermögen sich für eins zu entscheiden und auch sein Freiheitsdrang kommt nicht mehr voll zum Zuge, da auch der im nicht alles geben kann und ihn schon gar nicht von seiner Schuld, die er empfindet, rein waschen kann.

Cäcilie , die am Anfang des Stückes stark darunter leidet, verlassen worden zu sein, reift bis zum Ende des Dramas zusehends zu einer starken Frau. Sie erkennt das Dilemma ihres Mannes und ist schließlich sogar zum Verzicht auf ihr eigenes Glück zugunsten Stellas bereit. Diese ist, wahrscheinlich auch aufgrund ihres noch sehr jugendlichen Alters, extrem gefühlsbetont. Die Liebe zu Fernando ist, auch nachdem sie von ihm verlassen wurde, ihr einziger Lebensinhalt. Das Rittergut ist ihr Rückzugsgebiet, ihre Oase, in der sie alles an ihren Geliebten erinnert und sie wartet nur auf den erlösenden Moment seiner Rückkehr.

Die Frauen dieses Stückes scheinen hier zwar nicht gar so passiv wie die im Clavigo und doch sind sie es, die unter den Fehlern und dieser inneren Zerrissenheit der Männer leiden müssen. Alles was sie tun können ist warten und hoffen.

Einmal mehr hat Goethe in diesem Drama sein eigenes wankelmütiges Wesen dokumentiert, über die Trennung von Friederike ist er noch immer nicht vollkommen hinweg, zudem löste er gerade seine Verlobung mit Lili, seiner Geliebten aus Frankfurt.



Das Grundthema dieses Dramas ist, wie so oft in Goethes Jugenddramen, der fast zwangsläufig auftretende Konflikt zwischen der Verwirklichung des eigenen Ich und der kompromissbehafteten Bindung in einer Beziehung, die er in immer wieder wechselnden Konstellationen thematisiert.

Clavigo und Stella – zwei Dramen fürs Theater

Clavigo und Stella gehören nicht nur thematisch zusammen, auch die Art und Weise wie sie geschrieben wurden, der gefühlsbetonte Ton der Dramen, gleichen sich.

Goethe selbst hat gesagt, die beiden Dramen gehörten zu den „fasslicheren“ Produkten, die besonders für das Theater geeignet seien.

Was er damit meint kann man zum Beispiel im Faust nachlesen.

Im Vorspiel auf dem Theater erläutert der Direktor die Wichtigkeit und Nützlichkeit von Stücken, die dem Publikum gefallen und ihre Legitimation einzig aus der Nachfrage der Besucher ziehen. Auch diese Stücke haben ihre Berechtigung.

Etwas wissenschaftlicher beschrieb Goethe diesen Wechsel zwischen revolutionären Stücken und denen, die herkömmlicher, näher am Publikumsgeschmack sind, mit einem Gleichnis. Demnach wären die herkömmlichen Stücke mit der Systole, dem Zusammenziehen der Herzmuskeln und die revolutionären mit der Diastole, dem Erweitern der Herzmuskeln, vergleichbar.

Goethe ließ also nicht einzig nur die Ansprüche des Dichters gelten, sondern erkannte auch die pragmatischen Wünsche eines Theaters.

Diese beiden Stücke wurden oft sozusagen als Vorbereitung von einigen Theatern auf die „schwereren“ Dramen, wie den Egmont oder auch den Götz, gespielt.

Beide Stücke haben ihre thematischen Wurzeln im Sturm und Drang, formal allerdings erscheinen sie noch in der traditionellen Form der damaligen Zeit.

Das Drama Stella scheint selbst ein Opfer bürgerlicher Moral geworden zu sein, da es seinen ursprünglichen Schluss einbüßt, und durch einen ersetzt wird, der den damaligen Konventionen besser entspricht.

Von der Schwierigkeit im Umgang mit den beiden Dramentexten

Nachdem die beiden Dramen feststanden, die ich für meine Betrachtungen über die Phase des Sturm und Drang als Beispiele anführen wollte, und ich mich nun mit einem gewissen Maß an Sekundärliteratur eindecken wollte, machte ich eine erstaunliche Entdeckung.

Gerade über diese beiden Dramen, Clavigo und Stella von Johann Wolfgang von Goethe, gab es nur eine sehr geringe Anzahl an verwertbaren Informationen.

Der erste Schritt ist heutzutage ja immer erst einmal im Internet zu suchen, um sich einen

Überblick über das eventuell vorhandene Material zu verschaffen.

Die Grenzen dieses Mediums zeigten sich mir bei diesem Versuch mehr als deutlich.

Als erstes erschlug mich die schiere Masse der angegebenen Dokumente, bei näherer Betrachtung allerdings erwiesen sich diese Dokumente als sehr oberflächlich und für meine Zwecke nicht tiefgehend genug.

In der Stadtbibliothek wurde ich auch eher spärlich fündig, zumindest was die beiden Dramen im speziellen anging.

Für mich bedeutete das nun, dass ich mich ganz im Sinne der Stürmer und Dränger auf mich selbst verlassen musste.

Nach dem ersten Lesen war ich erleichtert, Goethes Sprache, die ich bis dahin nur aus dem Faust oder der Iphigenie kannte, erschien mir in diesem Fall wesentlich leichter, verständlicher zu sein. Die fast schon übertrieben gefühlsbetonte Sprache in diesen beiden Dramen, gab mir ein Gefühl alles verstanden zu haben, durch die Übertreibung  konnte ich die Dinge mitfühlen, die sich dort abspielten. Auch das Thema selbst half mir, mich mit den Stücken zurechtzufinden. Der Zwiespalt, in dem die beiden Protagonisten Clavigo und auch Fernando stecken, ist heute genauso aktuell wie Ende des 18. Jahrhunderts.

Allein der Umgang mit diesem Zwiespalt, sich einerseits binden zu wollen, eine Familie zu gründen, andererseits aber seine Freiheit zu genießen, das Drängen sich auszuprobieren, hat sich geändert. Diese innere Unruhe betrifft heute Frauen und Männer gleichermaßen und echte, selbstquälerische Schuldgefühle nach einer Trennung hat heute auch kaum noch jemand. In der heutigen Zeit ist es durchaus klar, dass der Partner nur auf bestimmte Zeit da ist, lebenslänglich, im wahrsten Sinne des Wortes, bekommt heute niemand mehr.

Aus dieser Einsicht heraus bindet man sich umgekehrt aber vielleicht auch leichter, da man ja weiß, wenn man keine Lust mehr hat, kann man gehen.

Die bürgerliche Moral von heute unterscheidet sich also doch extrem von der damaligen.

Es entsprach durchaus dem Geist der Zeit noch Jahre nach der Lösung eines Eheversprechens ein schlechtes Gewissen zu haben, nach heutigen Maßstäben eine fast lächerliche Vorstellung. Auch das Dreiecksverhältnis, dass Goethe in der ersten Fassung der Stella für die drei Liebenden konzipiert, wäre heute kaum noch ein Stein des Anstoßes. Trotz dieser unterschiedlichen Sichtweisen der Dinge, ist es sehr interessant, dass zum Beispiel der Clavigo in der nächsten Theatersaison wieder in Braunschweig zu sehen sein wird. Seltsamerweise war er gerade bei englischen und amerikanischen Schultheateraufführungen sehr beliebt, eine Information, die mir das Internet dann doch noch geliefert hat.

Ich persönlich freue mich schon auf die Aufführung in Braunschweig, da ich sehr gespannt bin, wie das Stück auf der Bühne umgesetzt wird.

    Literaturverzeichnis

Johann Wolfgang Goethe, Clavigo, in der Ausgabe von Philip Reclam Jun.,

mit einem Nachwort von Helmut Bachmaier, Stuttgart, 1983

Johann Wolfgang Goethe, Stella, in der Ausgabe von Philip Reclam Jun.,

mit einem Nachwort von Helmut Bachmaier, Stuttgart, 1983

Johann Wolfgang Goethe, Faust – Der Tragödie Erster Teil,

in der Ausgabe von Philip Reclam Jun., Stuttgart, 1986

Deutsche Literaturgeschichte: von den Anfängen bis zur Gegenwart/

Von Wolfgang Beutin- 5., überarb. Aufl.- Stuttgart; Weimar: Metzler, 1994

Walter Henze, Johann Wolfgang von Goethe, Band 1: Von den Anfängen bis zum Tasso, Friedrich Verlag, Velber bei Hannover, 1974

Matthias Luserke, Sturm und Drang: Autoren-Texte-Themen, Stuttgart: Reclam, 1997



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